Stu Larsen

Auf der Suche nach Stille und innerer Einkehr

22. September 2026

Lesezeit: 5 Minute(n)

Stu Larsen ist ein australischer Songwriter und Sänger mit einer ausgeprägten Reiselust und einem Gespür dafür, Erzählung und Melodie geschmackvoll miteinander zu verbinden. Seit seinem Debüt im Jahr 2014 mit dem treffend betitelten Album Vagabond besticht sein sympathischer Folkpop durch Entdeckergeist und Offenheit – eine Liebeserklärung an die Kraft der Musik und des Reisens. Da er als moderner Nomade ein erfahrener Weltenbummler ist, beschloss er, das gesamte Jahr 2024 der interkontinentalen Entstehung seines vierten Albums, Solitude, zu widmen. Zwischen „Misty Morning“ und „Eden“ hat Larsen insgesamt zwölf Stücke aufgenommen, die er im Oktober 2026 bei vier Deutschlandkonzerten präsentieren wird.
Interview: Frank Keil

Du stammst ursprünglich aus dem Städtchen Dalby in Queensland. Gab es dort jemanden der dich anfänglich auf deinem musikalischen Weg unterstützt hat?

In erster Linie meine Mutter, eine sehr musikalische Frau, die gerne gesungen hat. Mit vierzehn hatte ich ein Jahr lang Gitarrenunterricht, das war es dann aber auch schon. Dalby bot wenig Möglichkeiten zum musikalischen Austausch, beim örtlichen Musikshop gab es immerhin ein Regal mit günstigen Blues-CDs, die waren für mich Inspiration in Sachen Künstler:innen und Bands.

Nach einigen Jobs hast du dich quasi als Spätberufener mit 26 Jahren entschieden, alles auf die künstlerische Karte zu setzen?

___STEADY_PAYWALL___

Im Januar werden es zwanzig Jahre, dass ich aufgebrochen bin, ohne Plan, aber frei, um zunächst in Australien und Neuseeland umherzureisen und auf der Straße und in kleinen Cafés, Bars und Clubs meine Musik zu spielen. Und erstaunlicherweise haben mir dieses Lebensgefühl und die auf Reisen gemachten Bekanntschaften oder Freundschaften immer genug Energie gegeben, um voller Freude weiterzumachen. Bis heute habe ich keinen festen Wohnsitz, nur drei Lagerschränke, je einen in Italien, England und Australien.

Es ist dir gelungen, mithilfe dieses Inputs erfolgreiche Songs zu schreiben. Die Alben Resolute von 2017 und Marigold von 2020 haben dich auch international bekannt gemacht – du bist in Europa und Nordamerika auf Tour gewesen. Was nicht zuletzt an deiner Zusammenarbeit mit Mike Rosenberg alias Passenger lag, dem überaus erfolgreichen britischen Singer/Songwriter. Wie habt ihr euch kennengelernt?

2010 war er auf Tour in Australien und Supportact für meine besten Freunde, die angesagte Folkrockband Boy & Bear aus Sydney. Ich war damals deren Fahrer und Merchandiser bei ihnen. Und Mike verkaufte erstaunlicherweise mehr CDs als Boy & Bear. Wir wurden Freunde, er tourte als Hauptact, ich fuhr ihn und wurde sein Support. Wir sind bis heute im engen Austausch. Und als er für sein Album Whispers 2014 in Sydney war, produzierte er im Anschluss gleich noch Vagabond.

Auch deine Streamingzahlen haben davon profitiert. Hat dich das überrascht?

Auf jeden Fall. Mit mehreren Hundert Millionen Streams für Titel wie unter anderem „Thirteen Sad Farewells“, „San Francisco“, oder „I Will Be Happy And Hopefully You Will Be Too“ hatte ich niemals gerechnet. Dazu hat wohl auch Corona beigetragen.

Für Solitude hast du dich auf die Suche nach Stille und innerer Einkehr begeben. Du bist dem Leben nicht entflohen, aber hast es bewusst verlangsamt, um wieder klarer wahrnehmen zu können. Wo bist du für die Aufnahmen gewesen und wie lief der jeweilige Aufenthalt ab? War es schwer die geeigneten Locations zu finden?

Diese verrückte Idee schwebte schon eine Weile in der Luft, aber erst 2023 begann ich, sie wirklich zu verstehen. Ich lebe sehr nomadisch – seit fast zwei Jahrzehnten habe ich kein festes Zuhause mehr. Also habe ich versucht, mir eine kreative Möglichkeit auszudenken, ein Jahr lang ein Album aufzunehmen. Ich beschloss, zwölf Monate lang jeden Monat einen Ort zu besuchen, dort einen Song zu schreiben und an jedem dieser Orte ein dazugehöriges Video zu drehen. Diese Reise führte mich durch Neuseeland, Australien, Indonesien, Schottland, das Vereinigte Königreich, Österreich, Deutschland, Italien, Kanada, die USA und Argentinien. Die Orte hatte ich selber ausgesucht, oder sie wurden mir von Freund:innen empfohlen. Einmal die Woche habe ich eingekauft, telefoniert und E-Mails geschrieben, einmal im Monat ein Video hochgeladen, die restlichen Tage konzentrierte ich mich nur auf die Musik.

Mit welcher Ausstattung hast du diese Reisen und Aufnahmen dann letztlich bestritten?

Nur mit einer Gitarre, einigen Kameras, einer Drohne und minimalem Recording-Equipment. Es war eine Reise ins Unbekannte, ohne Internet und äußere Ablenkungen. So entstand Raum für Gedanken und Emotionen, für ehrliche Texte und reduzierte Arrangements. Solitude steht somit für authentisches Storytelling, für Bilder eines entschleunigten Lebens und für die Sehnsucht nach Weite und persönlicher Verbindung. Die zwölf Songs spiegeln genau diese Atmosphäre wider. Sie sind leise, eindringlich und werden nur von meiner Gitarre und Stimme getragen. Trotz der Single „If I Get It Right“ habe ich keine Favoriten, ich könnte ebenso Titel wie das in Tasmanien entstandene „Xanadu“, das am Piano geschriebene „I’ll Be Your Hallelujah“ oder das in Patagonien aufgenommene „Eden“ nennen.

Und was wurde dann im Studio nachträglich verändert und final eingespielt?

Die ursprünglichen Versionen, alle einzigartig schon aufgrund der Orte, an denen sie entstanden sind, leben auf Instagram und Youtube weiter. Für das Album habe ich aber alle Titel noch einmal im Studio mit dem Schlagzeuger und Produzenten Tim Hart von Boy & Bear in Brisbane neu eingespielt. Tim wird mich übrigens auf der kommenden Europatournee, die mich auch nach Deutschland bringt, als Support begleiten.

Hast du eine Erwartungshaltung hinsichtlich des fertiggestellten Albums? Was sollen deine Fans aus den zwölf Titeln mitnehmen?

Ich hoffe, dass die Zuhörenden dazu angeregt werden, ihre Handys auszuschalten, diesen Raum zu genießen und einfach zu sehen, was passiert. Es ist nicht einfach. Wenn wir die anfängliche Unbeholfenheit überwinden können, kann in jedem von uns etwas wirklich Schönes entstehen. Jetzt kann ich es kaum erwarten, auf Tour zu gehen, überall mit Menschen in Kontakt zu treten und das jeden Abend mit dem Publikum zu teilen.

Abschließend noch eine Frage: Haben dich deine Reisen auch hinsichtlich der weltweiten Migration verändert?

Definitiv. Je mehr Menschen du als weltweit Reisender kennenlernst, desto intensiver beschäftigst du dich mit dieser Fragestellung. Die Gründe für eine solche räumliche Veränderung sind äußerst vielfältig und können beruflicher, wirtschaftlicher, persönlicher oder politischer Natur sein. Eine Welt ohne Grenzen wäre dagegen perfekt.

Aktuelles Album:

Solitude (Nettwerk Music Group, 2026)

„Eine Welt ohne Grenzen wäre perfekt.“

Stu Larsen

Foto: Jessie McCall

Stu Larsen

Foto: Jessie McCall

Stu Larsen

Foto: Jessie McCall

Stu Larsen

Foto: Jessie McCall

3
Aufmacher:
Stu Larsen

Foto: Jessie McCall

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung

L