Hubert von Goisern

Vom Alpenrocker zum kritischen Chansonnier Tollwood, München, 23.6.2022

21. Juli 2022

Lesezeit: 3 Minute(n)

München ist nicht weit weg von Salzburg, dem langjährigen Domizil Hubert Achleitners alias Hubert von Goiserns, und somit von dessen selbsternannter zweiter Heimat. Aufgewachsen ist er im Oberösterreich zugehörigen Bad Goisern am Hallstättersee mit seinen Jod- und Schwefelquellen, wo er heute Ehrenbürger ist. Bereits 1991 trat der Liedermacher und Weltmusiker auf dem Tollwood-Festival auf, damals noch im Vorprogramm der aus der Steiermark stammenden Gruppe Broadlahn, die heute nur mehr sporadisch aktiv ist und die von Goisern zwischenzeitlich längst an Popularität übertroffen hat.

Text und Fotos: Matti Goldschmidt

Maria Moling, Severin Trogbacher und Hubert von Goisern

Zwanzig Jahre später war es Hubert von Goisern, der bei der 21. Ausgabe des Rudolstadt-Festivals (da noch TFF) den deutschen Weltmusikpreis RUTH für „Spitzenleistungen herausragender Protagonisten des Genres“, denen „eine wichtige Rolle für das Selbstverständnis und die öffentliche Wahrnehmung von Weltmusik in Deutschland zufällt“, erhielt. An Österreich hatte man dabei wohl eher nicht gedacht. In München folgten im Laufe der Jahre Konzerte am Königsplatz und im Circus Krone, und nach drei coronabedingten Verschiebungen war endlich ein erneuter Auftritt auf dem Tollwood möglich, veranstaltet seit 1988 auf einem Teil des früheren Oberwiesenfeldes südlich der Olympiaanlagen von 1972, der zu königlich-bayrischen Zeiten ein Militärübungsplatz war.

Mit einer bestuhlten Halle war sicherlich an das im Durchschnitt etwas ältere Publikum gedacht. Wobei sich der mit Jahrgang 1952 immer noch fast jugendlich agierende Stern des Abends zumindest über sein aktuelles Album mit einigen rock-, fast rapähnlichen Stücken durchaus auch dem jüngeren Publikum zuzuwenden scheint, zum Beispiel in „Brauner Reiter“, einem Song, der so etwas wie ein Aufschrei gegen rechte Strömungen ist. So ist die erste Hälfte des Konzerts Liedern aus den letzten Jahren gewidmet, wobei das Album Zeiten & Zeichen unglücklicherweise genau mit dem Beginn der Coronapandemie im Februar, März 2020 fertiggestellt wurde und dadurch eine vernünftige Promoarbeit mittels Konzerten über zwei Jahre lang kaum möglich war. Konsequent wird auch weiterhin die Judenverfolgung des Dritten Reiches thematisiert, indem ein Lied dem böhmischen Dichter Fritz Löhner-Beda (1883-1942) gewidmet ist, der insbesondere durch den Text des von Hermann Leopoldi (1888-1959) komponierten „Buchenwaldliedes“ Bekanntheit erlangte. Der Titel des Songs, „Freunde … (das Leben ist lebenswert)“, ist angelehnt an den gleichnamigen, von Löhner-Beda verfassten Auftrittssong der Figur Octavio in Franz Lehárs Operette Giuditta von 1934. Weitere chansonartig vorgetragene Lieder mögen weit entfernt vom einstigen von Hubert von Goisern geprägten Crossoverstil „schräg dahoam“ gewesen sein, wobei ältere Fans bei diesen deutlich das Akkordeon vermissten.

Hubert von Goisern und Band

Musikalisch unterstützt wird von Goisern – der gelegentlich selbst zu Akkordeon oder Trompete greift – seit 2007 von Helmut Schartlmüller am Bass, Alex Pohn am Schlagzeug und Severin Trogbacher an der Gitarre, der im November letzten Jahres sein eigenes Soloalbum Perseverance veröffentlichte. Dazu kommen der Südtiroler Alessandro Trebo am Keyboard und die ebenfalls aus Südtirol stammende, heute in München lebende Maria Moling an Gesang, Percussion, Klavier und vielem mehr, die auch als Mitglied des Frauentrios Ganes bekannt ist.

Als schließlich Hubert von Goiserns kommerziell bislang größter Erfolg anklang, nämlich „Brenna tuats guad“, das 2011 über mehrere Wochen die Nummer eins der Austria Top 40 des populären österreichischen Radiosenders Ö3 war, wurden auch die Stühle im Saal überflüssig – es stand praktisch alles auf den Beinen. Zum Abschluss folgten ältere Erfolge wie „Heast as nit“ oder „Weit, weit weg“ von seinem zweiten Album Aufgeigen stått niederschiassen von 1992, wobei von Goisern bereits seit vielen Jahren auf seinen ersten Hit „Koa Hiatamadl“ verzichtet.

Wer den umtriebigen Musiker diesmal verpasst hat, dem sei in München Anfang September sein Auftritt im Zirkus Krone empfohlen.

Hubert von Goisern mit Severin Trogbacher

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