Leipziger Liedernächte

Folk und Lied in besonderem Ambiente Grassi-Museum, Leipzig, 29.-30.7.2022

2. September 2022

Lesezeit: 3 Minute(n)

Foto oben: Waldzitherpunk Foto: Wolfgang Leyn

 

Nach dem Erfolg im Vorjahr boten die Leipziger Liedernächte Ende Juli im Innenhof des altehrwürdigen Grassi-Museums wieder zwei Abende spannende Liedkunst.

Text: Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Dabei stand der Freitag ganz im Zeichen des Folk. Die einheimische Gruppe Waldzitherpunk um das Urgestein der DDR-Folkszene Jens-Paul Wollenberg eröffnete den Abend mit Bekanntem wie dem „Bürgerlied“ oder Wacholders „Herr Wirt, so lösche uns’re Brände“, dazu Brechts „Ballade vom Wasserrad“, Gundermanns „Gras“ und „Haus auf Abbruch“ aus der Zeit der Pariser Commune. Erfreulich, wie die jungen Bandmitglieder Peggy Luck, Helene Déus und Toni Linke mit Wollenberg harmonierten. Unterstützt wurden die vier durch den sechsköpfigen Frauenchor Stimmbande, der sich zusätzlich mit zwei eigenen Liedern anschloss.

Tworna / Doc Fritz & Land Über Fotos: Wolfgang Leyn

Fortgesetzt wurde der Abend durch das Trio Tworna, das altes deutsches Liedgut auf ganz eigene Weise interpretierte. Auffallend dabei die Nyckelharpa von Catherina Other. Jessica Jäckel überzeugte als Sängerin und gemeinsam mit Frieder Zimmermann auch jazzig-rockig an Percussion, Bass und Waldzither. Man lauschte bekannten Liedern wie „La Marmotte“, „Es geht eine dunkle Wolk herein“, „Es ist ein Schnitter heißt der Tod“, „Heißa, Kathreinerle“, „Horch, was kommt von draußen rein“ und als köstliche Parodie „Du, du liegst mir im Herzen“.

Im letzten Teil des Freitagabends betrat Doc Fritz aus Jena die Bühne – gemeinsam mit dem Dresdener Duo Land Über. Doc Fritz alias Tim Liebert, bekannt von der Formation Hüsch!, aber auch als Songpoet und Musiker zwischen Irish Folk, Deutschfolk und Blues, traf hier mit Karl Helbig und Benni Gerlach auf ein Duo voller sphärischer Klangmalereien auf Cello und Saxofon beziehungsweise Tuba. Auch hier bildeten Volkslieder und Gedichtvertonungen die Grundlage: „Leise zieht durch mein Gemüt“, „Die Gedanken sind frei“, „Am Brunnen vor dem Tore“ oder das vogtländische „De Leit“. Eigene Interpretationen voller Spielfreude.

 Maria Schüritz / Lüül und Band Fotos: Wolfgang Leyn

Tag zwei der Liedernächte begann mit einer Programmänderung: Für Fama M’Boup, die krankheitsbedingt nicht auftreten konnte, sprang die Leipziger Liedermacherin Maria Schüritz ein. Sie nutzt bei einigen ihrer Songs eine Loopstation, deren Funktionsweise sie dem Publikum verständlich erläuterte. Neben dem jazzigen „Wir suchen den Mond“ beeindruckte sie mit kräftig-sinnlicher Stimme in „Verschlungene Dörfer“ über den Kohleabbau in Tagebauen und in „Ruinen einer anderen Zukunft (was war das für ein Land)“ mit ihrer Sicht auf die DDR.

Ein weiteres Urgestein stellte sich danach vor: Lüül, begleitet von einer vierköpfigen Rockband mit Bass und Schlagzeug, aber auch Theremin und Singender Säge. Lüül ist durch seine außergewöhnliche Biografie bekannt, spielte in avantgardistischen Westberliner Rockbands und bei den 17 Hippies und erzählte auch manche Anekdote darüber. Wichtige Lieder prägten seinen Auftritt, beispielsweise „Ich bin die Freie Rede“ oder „Wenn ich mal nich weiterweiß“, dazu Rückblicke: „Unser Meer war der Wannsee, unsere Insel West-Berlin“.

Fjarill Foto: Wolfgang Leyn

Für den Abschluss des Abends – und der Liedernächte – sorgte das Duo Fjarill mit der schwedischen Pianistin Aino Löwenmark und der südafrikanischen Geigerin Hanmari Spiegel, die seit Längerem in Hamburg leben. Neben Eigenkompositionen spielten sie traditionelle schwedische Musik, die zum Midsommar-Fest erklingt, sowie Vertonungen von Gedichten von Pär Lagerkvist und Nelly Sachs. Dabei verzauberten vor allem die kristallklaren Stimmen der beiden Frauen bei Titeln wie „Stockholm“ oder „Hier nehme ich euch gefangen“.

Insgesamt erlebten die Zuschauerinnen und Zuschauer zwei stimmungsvolle Abende voller wunderbarer Musik, mit viel Liebe organisiert vom Team um Anja Hövelmann und Peggy Luck. Einziges Manko: Trotz bestem Wetter hätte es etwas mehr Publikum sein können.

www.leipziger-liederszene.com/leipziger-liedernaechte

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