Weltmusik im Regenwald

Das Rainforest World Music Festival Kuching, Sarawak, Malaysia, 17.-19.6.2022

16. September 2022

Lesezeit: 3 Minute(n)

Foto oben: Open Air-Bühne beim Rainforest World Music Festival Foto: Wolfgang König

 

Die großen Weltmusikfestivals werden alle in Westeuropa, Nordamerika oder Australien veranstaltet. Alle? Nicht alle. Eines der besten Weltmusikevents überhaupt findet in Malaysia statt und konnte 2022 das Jubiläum seiner 25. Ausgabe feiern.

Zum ersten Stattfinden des Rainforest World Music Festivals (RWMF) kamen 1998 ganze dreihundert Besucherinnen und Besucher. 2019, als das Festival zum letzten Mal komplett „analog“ und nicht – pandemiebedingt – nur digital ausgerichtet werden konnte, pilgerten über zwanzigtausend Fans aus aller Welt an den Fuß des Mount Santubong auf der Insel Borneo. Dort befindet sich der Austragungsort des RWMF, das Sarawak Cultural Village.

Malaysias Halbinselteil im Westen liegt zwischen Thailand und Indonesien. Der östliche Inselteil mit den Bundesstaaten Sarawak und Sabah befindet sich auf Borneo. Das Sarawak Cultural Village nahe der Hauptstadt der Region, Kuching, widmet sich der Lebensweise und der traditionellen Architektur der vielen ethnischen Gruppen in Sarawak.

Bourbon Lassi Foto: Wolfgang König

Einige der traditionellen Häuser im Village dienten auch dieses Jahr wieder tagsüber als Veranstaltungsorte für Workshops, bei denen bestimmte Instrumente oder Musikstile vorgestellt werden. Wenn es um traditionelle Tänze aus aller Welt geht, ist das Publikum nicht nur Zaungast, sondern macht aktiv mit. Abends gehen die großen Shows normalerweise über die beiden Open-Air-Bühnen vor der Regenwaldkulisse des Mount Santubong. In diesem Jahr gab es allerdings nur eine Bühne. Erst im März hatten die malaysischen Behörden grünes Licht für das Festival gegeben, jedoch nur für eine Hybridversion mit halb so viel Publikum wie sonst. Damit war auch das Budget kleiner, und das Festivalteam musste kreativ werden.

Át Adau / Afro Asia Fotos: Wolfgang König

Die meisten der lediglich neun Liveacts (sonst sind es dreißig bis vierzig) waren einheimische Bands. Gäste kamen aus Indonesien, Südkorea, Australien, Indien und China beziehungsweise Kanada. Die Umbaupausen wurden mit musikalischen Videogrüßen von Künstlern und Künstlerinnen aus aller Welt überbrückt sowie mit Spotlightshows: In einem der Museumshäuser präsentierte sich musikalischer Nachwuchs mit kurzen, rein akustischen Auftritten, die live auf die Leinwände neben der Bühne übertragen wurden. Das ganze Festival konnte man für wenig Geld auch online mitverfolgen.

Die musikalische Entdeckung beim diesjährigen RWMF war die noch junge Gruppe Bourbon Lassi aus Kuala Lumpur. Ein australischer Wahlmalaysier an der Gitarre, zwei malaiische Kollegen an E-Bass und Schlagzeug und zwei indische Malaysier an Sitar und Tablas mixten auf gekonnte Weise Blues, Rock und indische Musik. Brillant wie immer war auch die sarawakische Gruppe Át Adau, die die Sape, Borneos traditionelle Laute, ins 21. Jahrhundert transferiert und so zu ihrer wachsenden Popularität beigetragen hat.

Percussion Workshop mit Steve Thornton / Spotlight Show – Desmond Junek Fotos: Wolfgang König

Wie sehr Weltmusik und Jazz zusammenwachsen, zeigte sich ein Wochenende später beim Borneo Jazz Festival in Sarawaks zweitgrößter Stadt Miri, wo viele Musiker und Musikerinnen auftraten, die auch beim RWMF gespielt hatten. Besonders beeindruckte in Miri die Gruppe Afro Asia um den New Yorker Percussionisten Steve Thornton, der unter anderem mit Harry Belafonte, Tania Maria und Miles Davis gespielt hatte, bevor er sich 1992 in Kuala Lumpur niederließ. Afro Asia kombiniert scheinbar mühelos südostasiatische, westafrikanische und Latinorhythmen, was wieder einmal zeigt, dass zwischen den Kulturen der Welt, so verschieden sie auch sein mögen, immer Brücken gebaut werden können.

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