Ilkka Arola Sound Tagine, Blue & Golden (Flame Jazz Records)
Der finnische Mikrotontrompeter und Magister der Weltmusik hat ein weiteres Album in Quintettformation eingespielt, das munter zwischen Jazz, Pop, Hymnen, Filmmusik und orientalischen Klängen hin- und herpendelt, ohne jemals in Beliebigkeit abzugleiten. Von den Mitstreitern des vorigen Albums Land Ahead! (2019) ist neben Arola nur Esko Grundström (Bass, Synthesizer) wieder mit dabei.
Ines Körver
Aurel, Land in Sicht (Hypertension Music)
Sollte die raue Stimme des Hamburgers vertraut anmuten, ist das nicht verwunderlich – sie gab einigen Werbespots das passende Gepräge. Hier liefern er und seine Band für alle Fans von Seefahrtsklischees mitreißende Schunkelshantys, die jeden Ort in eine Hafenkneipe verwandeln. Neben vier Welthits gibt es auch neun selbst gemachte Lieder zu solider Akustikmusik mit einem guten Schuss Americana.
Imke Staats
BKO, Djine Bora (Les Disques Bongo Joe)
Stürmisch geht es los, das dritte Album von BKO aus Mali. Kein Wunder, spielt das Trio doch neben der elektrischen Gitarre und Schlagzeug noch die sechsseitige Laute. Das ergibt einen dynamischen, fiebrigen Sound, zu dem sich die raue Stimme des Sängers und Gitarristen Mamoutou Diabaté gesellt. Tribalistisch klingt das Ganze, häufig verschachtelt mit vielen Tempowechseln. Grenzen überwindende, moderne Mandingomusik.
Michael Freerix
The Bros Landreth, Come Morning (Birthday Cake Records)
Wer hätte gedacht, dass es auf halbem Weg zwischen Bee Gees und Lambchop eine derart geschmackvolle Nische gibt. Runtergedimmte Gitarren, Kerzenlichtgesang. Souliger Countryrock für eine romantische Sternennacht.
Martin Wimmer
Cantodiscanto, Pandemusica (Visage Music)
Die Idee für das aktuelle Album der in Neapel gegründeten und heute in Bologna lebenden Gruppe entstand während des Coronalockdowns. Gäste wie der palästinensische Sänger Faisal Taher, der Akkordeonist Riccardo Tesi, die portugiesische Sängerin Maria Anadon und andere trugen ihre Beiträge aus der Ferne bei. Entstanden ist ein Werk, das weder stilistische noch geografische Grenzen kennt.
Martin Steiner
Acoustic Guitar Scene, Acoustic Guitar Scene & Acoustic Guitar Festival (MIG Music)
Allen Akustikgitarristen, die in die Jahre gekommen sind, wird es bei diesen Wiederveröffentlichungen aus den Jahren 1975 und 1979 warm ums Herz werden. Alles, was zu dieser Hochzeit der akustischen Gitarre Rang und Namen hatte, ist hier versammelt: Lämmerhirt, Weiland, Bursch und, und, und. Stilistisch so vielfältig wie ein ganzer Farbkasten und produziert vom legendären Conny Plank. Mega.
Rolf Beydemüller
Ban The Bomb, Music Of The Aldermaston Anti-Nuclear Marches (Do-CD; Cherry Red Records)
Musik aus einer völlig anderen, trotz der atomaren Bedrohung optimistischeren Zeit. Wie Peggy Seeger 1958 anlässlich des ersten Marsches sagte: „Wir haben für etwas gekämpft, nämlich Frieden, und nicht gegen etwas.“ Folk und sehr viel Old-Time Jazz, denn der war populär bei den Protestierenden damals. Das Ganze auf generösen 160 Minuten plus einem 36-seitigen informativen Beiheft.
Mike Kamp
Bardentreffen Nürnberg, Bardentreffen Nürnberg 2022 (Folk Galore)
Willkommen auf dem Dancefloor der weltweiten Folkszene. Der fetzige Sampler vereint vorwiegend hervorragend tanzbare Musik: Alogte Oho aus Ghana genauso wie die deutschen Beatboxer von The Razzzones, hypnotischer Elektrofolk der Finnin Maija Kauhanen ebenso wie die rasante schottische Folkband Talisk. Vor allem beweist das Album: Das Bardentreffen ist künstlerisch auf der Höhe der Zeit!
Udo Hinz
Flox, Square (Underdog Records)
Florian Gratton alias Flox hat sein siebtes Album im Alleingang eingespielt. Bis auf eine akustische Gitarre erklingen elektronische Samples und Loops. Sein oft auf fette Bässe und klare Melodien reduzierter Nu Reggae enthält dabei Old-School-Rhythm und technoide Ansätze sowie Vintage Dub und Futuristisches. Entspannt und präzise bespielt Gratton den gesamten „Platz“ mit seinen Musikmaschinen.
Christoph Schumacher
Gansch – Pixner, Alpen und Glühen (Three Saints Records)
Der Niederösterreicher Thomas Gansch (Trompete, Flügelhorn) und der Südtiroler Herbert Pixner (steirische Harmonika, Klarinette) sorgen mit ihren Projekten seit Jahren für Unruhe in Berg und Tal. Zusammen mit dem Kontrabassisten Lukas Kranzelbinder, dem Percussionisten Manu Delago und dem radio.string.quartet bringen sie die Alpen auf ihre ganz eigene Weise zum Glühen. Heiße Empfehlung für offene Ohren.
Martin Steiner
Päivi Hirvonen, Kallio (Nordic Notes)
Die finnische Geigerin legt das umwerfendste Intro des Jahres hin. Sie summt, stärker und stärker, dazu zupft sie die Geige – und danach ist die Hörerin auf alles eingestellt: geballte Stimmkraft, Wut und Handreichung, alles, was frau heute zur Alltagsbewältigung braucht, und das mit grandioser Instrumentalbegleitung! Alles selbst geschrieben von dieser genialen Frau.
Gabriele Haefs
Kinbom & Kessner, Anthropos (Hook Music)
Utopische und dystopische Elemente, Kritisches, Theatralisches, Bezüge zu Dichtern und Komponisten und eine eigenwillige Poesie über das mögliche Ende des Anthropozäns prägen die Texte der Berliner Theatermacherin und guten Sängerin Sonja Kessner. Die Musik des schwedischen Komponisten Fredrik Kinbom und zahlreiche Gäste, z. B. Angela Winkler, tragen sehr zum geheimnisvollen Eindruck des Albums bei.
Rainer Katlewski
Kokoroko, Could We Be More (Brownswood Recordings)
Prägend für den Klang der britischen Soul-Jazz-Band sind die Bläser, die dem Gitarrenpart der Afrobeat-Vorbilder ebenbürtig zur Seite stehen. Neben Trompete, Altsaxofon und Posaune sowie Gitarre und Bass sind Schlagzeug und Keyboard gleich doppelt besetzt, was dem Oktett einen dichten, fast Big-Band-ähnlichen Sound verleiht. Das fünfzehn Titel umfassende Album der Londoner ist ein gelungenes Debüt.
Christoph Schumacher
Kate Ellis, Spirals (River Rose Records)
Vom namhaften Produzenten John Reynolds (Sinead O’Connor, U2, The Chieftains, Andy Irvine) in Szene gesetzt, sind die Songs von Kate Ellis etwas voluminöser gestaltet als die ihres Debütalbums. Mit leichten Anklängen an Country, keltischer Musik und Rockabilly ist die Musik von Ellis doch klar die Sache einer Singer/Songschreiberin von internationalem Niveau.
Michael Freerix
Athina Kontou, Tzivaeri – Mother (NWOG Records)
Jazz, der in nicht unerheblichem Maße auf hellenischem Volksliedgut basiert, ist selten. Die deutsch-griechische Bassistin Athina Kontou hat sich mit ihrem Quartett Mother und den Gastmusikern Epaminondas Ladas (Oud, Bouzouki) und Koray Berat Sari (Latva) der Aufgabe gestellt und ein relaxtes und sehr hörenswertes Album eingespielt – Ausflüge nach Armenien und in die Türkei inklusive.
Ines Körver
La Brigida Orquesta, Antípoda (Ajabu!)
Das dritte Album (darunter eins, das live in einem Berliner Studio aufgenommen wurde) des 2017 formierten Jazz-Hip-Hop-Ensembles aus Chile ist so gelungen wie kurz. Die leider nur knapp 25 Minuten machen definitiv Lust auf mehr. Die fünf orchestral exzellent gestalteten, mit guten Raps und Samples ausgestatteten Tracks verraten hier und da auch die filmmusikalischen Neigungen der Big-Band-starken Crew.
Katrin Wilke
Lucibela, Amdjer (Lusafrica)
Das kreolische Wort amdjer geht auf das portugiesische mulher („Frau“) zurück. Das Album ist eine Würdigung der Frauen der Kapverden, ihrer Freuden und Sorgen. Mit ihren melancholischen Mornas, fröhlichen Coladeiras und einer Stimme, die etwas an Cesária Évora erinnert, taucht man unverzüglich in das ganz eigene Flair der Inseln ein.
Martin Steiner
Damian McKee & Aaron Jones & Gudrun Walther, High Doh (Artes Records)
Das irisch-deutsch-schottische Trio aus Mitgliedern der Bands Beoga, Cara, Litha und Old Blind Dogs liefert eine fein ziselierte und doch druckvoll-rhythmische, irisch-schottische Tanzmusik. Bis auf zwei von Walther und Jones gesungene Balladen rein instrumental mit Fiddle, Akkordeon, Bouzouki, die man sich, wenn man nicht tanzen will, am besten ganz aufmerksam der Feinheiten wegen per Kopfhörer anhört.
Michael A. Schmiedel
Maik Mondial, Transit (Hey!blau)
Das Album soll einen Roadtrip entlang der Donau nachzeichnen. Entsprechend bunt ist die ethnische Einfärbung der Musikstücke. Doch damit nicht genug. Oft klingen auch Jazz und Klassik durch. In der fünfköpfigen Band stehen Trompete und Violine bzw. Viola im Vordergrund. Die anderen drei Mitstreiter spielen Ukulenbass, Tuba, Gitarre und Drums. Sehr abwechslungsreich!
Ines Körver
Ronja Maltzahn, Heimweh (Timezone Records)
Ihr drittes Album steht ganz im Zeichen der Poesie. Neben eigenen Geschichten über Aufbruch, Sehnsucht nach Ankommen, den Mut eigene Wege zu gehen wagt sich die 29-jährige Sängerin und Multiinstrumentalistin auch an eine Vertonung von Hermann Hesses Gedicht „Stufen“. Zehn intensive Lieder mit Popakzenten und großer sprachlicher Tiefe.
Erik Prochnow
MANdolinMAN & Ansatz der Maschine, Houtekiet (Trad Records)
MANdolinMAN ist ein belgisches Mandolinenquartett. Neben Gründer Andries Boone gehören Maarten Decombel (Snaarmaarwaar), Dirk Naessens (ex Urban Trad) und Peter-Jan Daems zur Besetzung. Auf dem dritten Album modernisiert Matthijs Bertel (Künstlername „Ansatz der Maschine“) den Sound mit Synthesizer und Soundlandschaften. Die CD enthält viele himmlisch-leichte Melodien. Eine der besten belgischen Veröffentlichungen des Jahres.
Christian Rath
Meszecsinka, Ányék (CPL-Music)
In Ungarn sind sie eine feste Größe, in Deutschland noch viel zu unbekannt. Das Quartett um Sängerin, Pianistin und Guslispielerin Annamária Olah und den Multiinstrumentalisten Emil Biljarski setzt einmal mehr auf groovig-mystisch-hypnotischen Folk mit sehr vollem Sound. Dieses Album ist etwas weniger düster als das vorige. Die Songs gehen direkt ins Ohr und wollen nicht mehr raus.
Ines Körver
Minoa, Forward, Backward, Start Again (Listen Records)
Schön, dass es in Zeiten nach raschen Klicks gierender Spotify-Trigger noch Künstlerinnen und Künstler gibt, die ihren Werken Zeit und Raum zur Entfaltung lassen. Wie die Wahlberlinerin, die hier ein recht reifes Debüt gibt. Luftig, doch kraft- und gefühlvoll arrangiert mit wohlgesetzten Dissonanzen. Toll: „Strangers“, das sich nach verhaltenem Start zu einem hymnischen Refrain hochschraubt und im Feedback endet.
Imke Staats
Lillebjørn Nilsen & Andy Irvine, Live In Telemark (Grappa Musikkforlag)
Mit großer Verspätung ist endlich dieses Album der beiden Virtuosen erschienen, aufgenommen wurde es bereits 1994! Spinnweben angesetzt haben die Aufnahmen jedenfalls nicht. Der eine singt auf Norwegisch, der andere ist im Hintergrund zu hören, umgekehrt genauso. Ihre vielen Instrumente passen perfekt zueinander, sie singen alte und neue Lieblinge, lassen muntere Sprüche los, alles ein Hochgenuss!
Gabriele Haefs
Hatis Noit, Aura (Erased Tapes)
Auf eine ganz und gar außergewöhnliche Klangreise nimmt uns die japanische Sängerin Hatis Noit mit. Stimme und nichts als Stimme. Aber was für eine! Alle Farben scheinen ihr zur Verfügung zu stehen. Im Opener „Aura“ erhebt sich Noits kraftvoller Mezzo über grundtönig verschliffenen Voice-Loops und vogelartigen Rufen. Ritualhaft und geheimnisvoll bewegt sie sich durch eine Art Parallelwelt. Lisa Gerrard und Sainkho Namtchylak sind die offenkundigen Schwestern im Geiste.
Rolf Beydemüller
Theo Pascal, Quamundos2 (Galileo-MC)
Der versierte, gut groovende Multiinstrumentalist – vor allem Bassist – und Produzent aus Portugal ist zumeist als Sideman für andere tätig. So meldet er sich eher selten mit eigenen Alben zu Wort, nun zum dritten Mal seit 2005. Der überaus groovige Wahllondoner köchelt in zehn Tracks ein flirrendes lusofones Worldjazzgebräu, bei dem u. a. auch seine musikalische Langzeitpartnerin Carmen Souza mitwirkte.
Katrin Wilke
Grant Lee Phillips, All That You Can Dream (Yep Roc Records)
Als Bandprojekt Grant Lee Buffalo hatte Phillips in den Neunzigern große Erfolge zu verzeichnen, obwohl er mit seinem leicht psychedelisch angehauchten Songwriting eher außerhalb der damals gängigen Trends lag. Nun ist die Musik des Native American verhaltener geworden, intimer, persönlicher. Und insgesamt wohl auch trauriger, melancholischer. Er reflektiert darin auf die Ereignisse der vergangenen beiden Jahre und schafft dabei eine traumhafte Atmosphäre.
Michael Freerix
Pleil, Keine Zeit (Timezone Records)
Das zweite Album klingt opulenter. Elektrische Gitarre und deutlicher Bass tragen den schwingenden, grungigen, oft melancholischen Sound. Besonders markant sind die rätselhaften Texte, in denen Marco Pleil Floskeln auflöst, unter die Lupe legt oder krass reimt („Arsch auf Eimer oder keiner“). Am Ende der zwölf Stücke wissen wir: Berlin soll nicht nach Geld fragen. Pleil aber kommt von Rhein und Main.
Imke Staats
The Po` Ramblin` Boys, Never Slow Down (Smithsonian Folkways Recordings)
Es scheint, dass den US-Amerikaner die Furcht bewegt, es könne eines Tages keine jungen Menschen mehr geben, die traditionellen Bluegrass spielen wollen. Wenn dann doch virtuoser Nachwuchs auf den Plan tritt, hagelt es vor Erleichterung Auszeichnungen. So auch hier: Die Boys beherrschen das Metier perfekt und orientieren sich etwa an den Stanley Brothers – inklusive Cowboyhüten.
Volker Dick
Quintetango, Tangente (Conservatorio de Música de Coimbra/Galileo-MC)
Das portugiesische Quintett widmet sich der Musik des Argentiniers Astor Piazzolla. Den Schwerpunkt ihres Debütalbums bilden Stücke des Tango Nuevo, die er zwischen 1965 und 1971 schrieb. Die Aufnahmen entstanden 2021, zum hundertsten Geburtstag des Komponisten. Mit klassischer Gitarre, diatonischem Akkordeon, Klavier, Geige und Kontrabass schaffen sie ein fast kammermusikalisches Werk.
Martin Steiner
Jochen Ross, Tides (Housemaster Records)
Der helle, silbrige Ton der Mandoline mäandert durch ein farbenprächtiges, musikalisches Universum. Jochen Roß, Komponist und famoser Mandolinenvirtuose, spannt den Rahmen weit auf: improvisatorische, atmosphärische Klänge, schottische Folkore, Bach-Partiten, Arvo Pärts meditatives „Für Alina“. Er scheut weder Rock, noch Jazz, noch Metal. Diese Komponenten zu einem stimmigen Ganzen zu verweben, muss ihm erst einmal jemand nachmachen.
Rolf Beydemüller
Volker Schäfer, While My Guitar Gently Weeps (CMO Music)
Der Gitarrist aus Ettlingen spielte die Musik der Beatles in den legendären Abbey Road Studios in London ein. Alleine auf der Konzertgitarre interpretiert er Titel wie „Penny Lane“, „Michelle“ oder „Eleanor Rigby“. Dabei ließ er sich von der Aura dieses Studios inspirieren, spürt nachdenklich in die Musik hinein, variiert gekonnt die Melodien und verleiht den Klassikern ein kontemplatives Flair.
Udo Hinz
Anoushka Shankar & The Metropole Orkest with Jules Buckley and Manu Delago, Between Us… (Leiter)
Die große Sitarvirtuosin geht neue Wege. Auf Nils Frahms eigenem Label Leiter möchte sie sich in anderen Kontexten erfahren. Dies ist der Mitschnitt von Konzerten während einer Tour durch die Niederlande 2018 mit dem großartigen Klangkörper des Amsterdamer Metropole Orkest unter der Leitung des Dirigenten und Arrangeurs Jules Buckley. Wie so oft ist Manu Delago an der Hang mit von der Partie.
Rolf Beydemüller
Ryan Sheridan, Americana (Rubyworks)
Gewohnt radiotauglicher Hochtempo-Folkpop vom Iren. Diesmal durchweg lohnenswerte Coverversionen, der Titel sagt es, vor allem aktueller Americana-Acts (u. a. Chris Stapleton, Tyler Childers, The Black Keys). Erfrischendes Konzept, knackig umgesetzt.
Martin Wimmer
Shiregreen, Indian Summer (DMG Records)
Sehr persönliche Songs in Englisch und Deutsch bringt Klaus Adamschek alias Shiregreen mit seiner Band, die zum Teil auch aus Familie besteht. Rückblicke, Liebeserklärungen, Referenzen an die Vorbilder Buffy Sainte-Marie und besonders Kris Kristofferson prägen das Album. Im Duett mit Marisa Linß wird „Hundert Mann und ein Befehl“, ein Lied aus den Sechzigern, als Antikriegslied und Statement neu belebt.
Rainer Katlewski
Sir Reg, Kings Of Sweet Feck All (Despotz Records)
Die schwedische Band mit Dubliner Frontsänger bietet wieder deftigen, schnellen, teils etwas hektischen Irish-Folk-Rock im Stil der kalifornischen Mahones. Leider sind die winzig klein in Rot auf schwarzem Grund gedruckten Texte kaum lesbar. Tipp: abfotografieren und vergrößern. Vielleicht hört man aber auch einfach zu, tanzt, trinkt und feiert eine Party, was der Musik durchaus angemessen wäre.
Michael A. Schmiedel
Robert "Robi" Svärd, Del Alma (Asphalt Tango Records)
Auch Schweden hat gute Flamencogitarristen, wie der Göteburger auf nunmehr drei Alben vorführt. Solide und einfallsreich sein Spiel wie auch seine Kompositionen, die diesmal mit einem überschaubareren Personal als der Vorgänger Alquimia gekonnt umgesetzt wurden. Renommierte spanische Flamencos wie Sängerin Sandra Carrasco oder Geiger Bernardo Parrilla hört man genauso wie einen Landsmann an der Nyckelharpa.
Katrin Wilke
Steve Tibbetts, Hellbound Train (ECM Records)
1982 erschien Tibbetts erstes Album Northern Song auf ECM. Eine stille Meditation für akustische Gitarre und Percussion. Heute, vierzig Jahre und acht Veröffentlichungen später, erscheint eine Anthologie des Gitarristen aus Minneapolis, die auf zwei CDs exemplarisch sein Werk würdigt. Ein eklektisches, aufwühlendes kreatives Schaffen, dass sich nur schwer fassen lässt. Der brennende Wald auf dem Cover und der eindeutige Titel fügen dem Werk eine noch ganz andere Dimension hinzu.
Rolf Beydemüller
Tone Of Voice Orchestra, Tone Of Voice Orchestra (Stunt Records)
Das zehnköpfige dänische Tone Of Voice Orchestra spielt eine beeindruckende Vielzahl von Instrumenten, es geht gleich los mit Dudelsack – und dann setzt der Gesang ein, vier Frauenstimmen tragen die von den Bandmitgliedern Trinelise Væring und Fredrik Lundin geschriebenen, allesamt englischsprachigen Lieder vor. Die Damen lassen sich von den Andrews Sisters inspirieren, folkig ist das alles nur am Rande.
Gabriele Haefs
Vieux Farka Toure, Les Racines (World Circuit)
Mit Les Racines , was übersetzt „Die Wurzeln“ bedeutet, zeigt Vieux eine tiefe Verbundenheit mit der traditionellen Songhai-Musik aus Nordmali, welche auch als Desert Blues bekannt wurde. Vieuxs Wurzeln reichen tief, ist er doch der Sohn von Ali Farka Touré. Das Album wurde in Vieuxs Heimstudio in Bamako aufgenommen und präsentiert zeitlose Lieder, die von der traditionellen Musik Westafrikas geprägt sind.
Christoph Schumacher
Raf Vilar, Clichê (Abaju! Records)
Der brasilianische Singer/Songwriter singt sanftmütig, zudem in hoher, fast femininer Tonlage. Bei seinen minimalistischen Arrangements reichen neben einem melodieführenden Bass meist Percussion und etwas Keyboards aus. Ambientartige Klänge mischen sich mit brasilianischer Rhythmik und afrikanischen Gitarrenläufen. Fast sakrale Musik voller unglaublicher Zartheit.
Hans-Jürgen Lenhart
Viviane, Quando Tiveres Tempo (O-Tone-Music)
Auf ihrem letzten Album sang Viviane ausschließlich Lieder von Edith Piaf. Quando Tiveres Tempo ist eine Sammlung von Eigenkompositionen mit einem stärkeren Bezug zum Fado. Die Portugiesin wird auf Quando Tiveres Tempo von einer Vielzahl von Musikern unterstützt.
Martin Steiner
Lynn Adib & Marc Buronfosse, Nearness (Arts Culture Europe)
Sängerin Lynn Adib und Bassist Marc Buronfosse spielten 2020 bei einem in letzter Minute vereinbarten Gig auf Paros zusammen und empfanden das so großartig, dass sie nun ein gemeinsames Album vorlegen. Auch wenn sie von diversen Mitstreitern und sogar einem griechischen orthodoxen Chor unterstützt werden, ist es ein sehr intimes Album – jazzig und orientalisch.
Ines Körver
Seonaid Aitken Ensemble, Chasing Sakura (Eigenverlag)
Die Bezeichnung Ensemble lässt es vermuten, die Musik bestätigt es: Das ist Crossover pur. Vor allem Jazz und Klassik plus ein wenig Folk, gespielt von sechs Frauen (Violine, Viola, Cello, Bass, Tenorsaxofon, Flöte) und von Aitken komponiert, entstanden in der Folgezeit eines Reitunfalls und inspiriert durch Sakura, die japanische Kirschblüte.
Mike Kamp
Aquafaba, Electric City (Blue Whale Records)
Die Berliner Band macht den Eindruck eines hippieartigen Musiktheaters, aber es steckt doch mehr dahinter: komplexe Gesangsstrukturen, manchmal an Musicals erinnernd. Sie bewundert zudem die brasilianische Tropicália-Bewegung der Sechziger. Bisweilen fehlen etwas die prägnanten Melodien, aber ihre flirrende und umwerfende Version von „Cucurrucucu Paloma“ ist völlig unverstaubt arrangiert.
Hans-Jürgen Lenhart
Aurago, Winterschlaf (Red Blooms)
Das Trio aus Leipzig spielt Dark Folk und vertont Lyrik der Romantik. Auf ihrem dritten Album sind Eigenkompositionen, Volkslieder und Vertonungen von Gottfried Keller, Annette von Droste-Hülshoff und Joseph von Eichendorff zu hören. Die prägnante und ausdrucksstarke Sängerin Anna Reiland wird von Maria und Silas Hofmüller unterstützt an Nyckelharpa, Flöten, Gitarre, Mandoline und Percussion.
Piet Pollack
Maher Beauroy, Insula (Tropiques Atrium)
Das zweite Album des mit Klassik, Jazz und Zeitgenössischem vertrauten, begabten Pianisten aus Martinique entstand in Zusammenarbeit mit dem Frankoalgerier Redha Benabdallah. Gewidmet ist es dem französischen Denker Frantz Fanon, dessen frühe visionäre antikolonialistischen Ideen rezitativ hier und da eingewoben sind in die atmosphärischen Kompositionen, u. a. mit Streichern und Oud, gespielt von jungen Musikern und Musikerinnen.
Katrin Wilke
Berikely & Zama, Elaela (Abrazik)
Die Band um den madagassischen Singer/Songwriter und Kabôssyspieler Berikely formierte sich in seiner Wahlheimat Frankreich und interpretiert die zehn Stücke dieses Albums rein akustisch mit großem Gesangsanteil und ganz in der Tradition der Inselrhythmen. Zur Gitarre ähnlichen Kabôssy gesellen sich unterstützend Bass, Gitarre, Schlagzeug und Percussion, klanglich eher weltoffen und jazzverwandt.
Christoph Schumacher
David Burnett, Picture Palace (Eigenverlag)
Den US-Amerikaner David Burnett hat es nach Spanien verschlagen, wo er eine Musik macht, die keinerlei spanische Einflüsse hat, denn sie ist zutiefst im Storytelling US-amerikanischer Tradition verwurzelt. Die Musik eines James Taylor oder Jackson Browne schimmert bei ihm durch, auch wenn er diese Musiker nicht zu seinen Vorbildern zählt. Ein Debütalbum, das solide gearbeitet ist, und vielleicht ein gewisses Überraschungsmoment vermissen lässt.
Michael Freerix
Sheila K. Cameron, With You In My Life (Glalell)
„Based in Glasgow, belongs in Canada“, so sieht sie sich selbst, einst mehr eine Künstlerin, heute eher eine Schriftstellerin, doch sie arbeitet weiterhin an ihren Songs. Leicht swingender Singer/Songwriter-Stil, die Stimme strahlt ein intensiv gelebtes Leben aus, manchmal rezitiert sie auch nur. Gemein ist den Songs und dem Sound, dass sie ein gewisser Brian J. MacNeill (nein, nicht der!) bearbeitet hat.
Mike Kamp
Chorda Flautando, Edelholz (Pfalz Records)
Das Trio aus der Südpfalz präsentiert akustische Instrumentalmusik, gespielt auf Harfe, Blockflöten, Tin Whistle und Gitarre, unterstützt von dezenter Percussion. In geschmackvollen Arrangements hören wir Renaissance- und Mittelalterstücke („Trotto“, „Bärentanz“), Irish Folk („She Moved Through The Fair“) und einen Schottisch von La Rotta. Empfehlenswerte Musik für den Feierabend, zum Erholen nach einem anstrengenden Tag.
Piet Pollack
Al Di Meola, John Mclaughlin, Paco De Lucíia, Saturday Night In San Francisco (earMusic)
Ja, richtig gelesen, nicht „Friday“, sondern „Saturday Night“. Auf den legendären Livemitschnitt des Superhero-Gitarrentrios vom 5. Dezember 1980 folgt nun mit locker vierzigjähriger Verspätung das Konzert vom 6. Dezember. Krass virtuose, regelrechte Gitarren-Battles führen einem vor Ohren, dass Unmögliches auf den dreimal sechs Saiten eben doch möglich ist. Und das macht einen ungeheuren Spaß, heute wie vor vierzig Jahren. Gewidmet ist das Album dem viel zu früh gestorbenen Paco de Lucía.
Rolf Beydemüller
Ebenbild, Gesammelte Landschaften (Red Blooms)
Hier geht es um ein Projekt der beiden Musiker Maria und Silas Hofmüller von Aurago, welches sie jetzt auf ihrem fünften Album veröffentlicht haben. Es handelt von Landschaften, die sie in den letzten Jahren durchwanderten. Diese regten Silas zu 25 Kompositionen an, die abwechslungsreich mit vielfältigen Instrumenten (Nyckelharpa, persische Santur, Akkordeon, Tin Whistle, Mandoline, Gitarre) arrangiert wurden.
Piet Pollack
Ghosttown Company, Vagabond Kings (Prosodia)
Die Treverer Irish-Folk-Rocker bleiben ihrem Stil treu mit deftigen, rockigen Darbietungen eigener und traditioneller irischer und ähnlicher Lieder. Sie singen meist in einem englischen Underdogslang, einmal auf Deutsch und scheuen nicht den „Wild Rover“. Die sechsköpfige Band wird von fünf Gästen unterstützt, z. B. von Christoph Marx, dessen Flöte nach Jethro Tull klingt.
Michael A. Schmiedel
Goldvogel, Incompletum (Ping Pong Records)
Die Mannheimer Romantikfolkband aus dem Auenland in Neckarau spielte eine Kollektion von Titeln der letzten fünfzehn Jahre ein. Familie Hoheisel (Eltern und Tochter) nahm sich dazu verschiedenster Texte von Liliencron, Goethe, Heine, Eichendorff, Poe und Luther an. Hans-Jürgen Hoheisel vertonte die Gedichte. Mit vielfältigen Instrumenten entstand so ein folkorientiertes Album, dessen Wirkung sicher Geschmackssache ist.
Piet Pollack
Hadern, Guter Mann (Intertune Records)
Die Lieder des Folk(-Rock)-Sextetts aus München handeln von Verlust, Vergänglichkeit, Termindruck, Gewissensforderungen, Anpassungsdruck, Wurzel- und Orientierungslosigkeit im modernen Großstadtleben, sind also keine leichte Kost, so locker-flockig sie auch dargebracht sind.
Michael A. Schmiedel
Petri Hakala & Timo Alakotila, Mandolin Concerto (Äkerö Records)
Ein zauberhafter Hybrid aus nahezu klassisch tönender Kammermusik und Folk ist das Konzert für Mandoline des finnischen Komponisten Timo Alakotila. Streichquartett, Gitarre und als Solistin die herrlich gespielte Mandoline des langjährigen Musikkollegen Petri Hakala. Die Herausforderungen an den Solisten sind groß, aber ganz gleich ob Klassik, traditionelle Polska oder hinreißende Improvisation, Hakala erweist sich als Meister seines Fachs.
Rolf Beydemüller
Herr Dennehy, In The Dark (Eigenverlag)
Starke 6-Track-EP des Münchner Songwriters mit irischen Wurzeln. Herausragend „9teen6teen“, sein Ohrwurm über den Osteraufstand. Pubtauglicher Indiefolkrock für Fans von Frank Turner oder die rumpeligere Seite der Waterboys.
Martin Wimmer
Hò-Rò, New Moon (Eigenverlag)
Das Septett aus den Highlands beherrscht auch die Spezialität vieler schottischer Gruppen: Instrumentals in Höchstgeschwindigkeit spielen. Aber der Schwerpunkt des dritten Albums liegt klar auf den clever ausgewählten Songs. Völlig zurecht, denn Hannah Macrea und Calum MacPhail haben außergewöhnlich gute Stimmen. Plus Pipes, Akkordeon, Fiddle, Whistle, Gitarre, Bass, Keyboards und Drums. Ein sehr gutes Album!
Mike Kamp
Julian James & The Moonshine State, Live At The Star (Eigenverlag)
Nicht etwa im Hamburger Star Club eingespielt, sondern im Star Hotel im australischen Yackandandah, wo seit 1998 das bekannte Folkfestival stattfindet. Man hört, dass es heiß herging und alle sich mit viel Bier hydrierten. Unterhaltsame, beschwingte Momentaufnahme eines routinierten Bluesers.
Martin Wimmer
Josh Johnston, Reasons To Fly (Shandon Records)
Der perfekte Mix aus Singer/Songwriter, Pop und Soul. Der Sänger und Pianist mit der sanften Stimme aus Dublin verbindet das Beste verschiedener Musikstile. Selbstreflektierende Texte treffen auf eingängige Melodien, Bläsersätze und Streicher machen die Songs abwechslungsreich. Man spürt in jedem Song seine zwanzigjährige Musikkarriere. Wer Van Morrison oder Billy Joel mag, liebt dieses Album.
Udo Hinz
Misagh Joolaee & Sebastian Flaig, Qanat (Pilgrims of Sound)
Mit seinen beiden ersten Soloalben Ferne und Unknown Nearness gewann der im Iran geborene Kamantschespieler Misagh Joolaee bereits 2020 und 2021 den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Dieses Album muss sich dahinter nicht verstecken. Unterstützt von Orientpercussionist Sebastian Flaig zeigt Joolaee erneut eindrucksvoll, welch filigrane Soundlandschaften ein Stachelgeiger hervorbringen kann.
Ines Körver
La Fanfarria Del Capitán, El Cantomanto (Tropical Diaspora Records)
Die deutsch-argentinische Band spielt einen Mix aus Latin, Reggae, Rock und Balkanpop und mehr. Das geht von Schunkelfolk bis Disco oder Alpenrock. Abwechslung kann gut sein, hat aber den Nachteil einer gewissen Profillosigkeit. Entscheidender mag sein, dass die Gesangsstimme für eine Mestizoband sehr sanft wirkt und relativ zurückgemischt ist. Die Musik ist zudem mit recht viel Hall versehen.
Hans-Jürgen Lenhart
Eric Liorzou & Yann Gueguen, Jardins Électriques (Eigenverlag)
Der Gitarrist Eric Liorzou war 1973 Gründungsmitglied der wichtigen bretonischen Folkband Bleizi Ruz. Nun hat er ein Duoalbum mit dem auch nicht mehr jungen Keyboarder und Elektroniktüftler Yann Guéguen eingespielt. Die Stücke – mal tanzbar, mal sphärisch – hat Liorzou in den letzten vierzig Jahren komponiert und nun mit Gitarre und Mandola neu aufgenommen. Keyboards und Elektronik bleiben meist dezent im Hintergrund. Wo mehr Keyboards zu hören sind, wirken sie manchmal eher altbacken. Insgesamt aber ein interessantes Instrumentalalbum.
Christian Rath
Maestrale, Circo Carnevale (Visage Music)
Das ligurische Trio lädt seit seiner Gründung im Jahr 2017 zum Bal Folk ein. Filippo Gambetta (diatonisches Akkordeon, Cajón), Sergio Caputo (Geige, Cajón) und Fabio Vernizzi (Piano, Elektropiano, Harmonium, diatonisches Akkordeon) loten die Grenzen des Genres aus und eignen sich auch ideal zum intensiven Zuhören auf dem Sofa – mit dem Risiko, dass der Körper sich irgendwann in Bewegung setzt.
Martin Steiner
Mare, Macabre En Andere Stukken (Lunatic Productions)
Die niederländischen Musiker Martin Vermeer und René Peterse haben eines der unkonventionellsten Corona-Alben eingespielt. Ihre Instrumentals vereinen Stile wie Americana, Blues, mittelalterliche und keltische Musik. Entstanden ist ein morbides Werk. Neben der „Suite Danse Macabre“ heißen Stücke „Corona-Lockdown“ oder „Quarantaine“. Das Album ist der gelungene schräge Soundtrack zur Pandemie.
Udo Hinz
Sarah Markey, Leaving Lurgangreen (Eigenverlag)
Irische Holzquerflöte und Harfe spielt die Schottin mit klaren irischen Wurzeln, und zwar so gut, dass sie 2019 im Finale der Young Traditional Musicians of the Year stand. Auf ihrem Solodebüt klingen die Tunes (plus zwei Lieder) dann auch schottisch-irisch, aber auch asturische Verbindungen sind hörbar. Ein überzeugendes Album, nicht zuletzt durch die Hilfe von neun Kollegen.
Mike Kamp
Martino, Zeichen & Wunder (Eigenverlag)
Eine vielversprechende neue Stimme in der Musikszene. Martin Prömper alias Martino besticht auf seinem selbst produzierten Debüt durch wunderbare Gitarrenkompositionen im modernen Fingerstyle. Untermalt mit Klängen aus der Natur präsentiert der 28-jährige mit Wohnsitz Schwarzwald eine Hommage an das Leben und die Verbundenheit mit der Erde. Einzig an seinem auf einigen Stücken vorkommenden Gesang sollte er weiterarbeiten, damit er ihnen insgesamt einen stärkeren Ausdruck verleiht.
Erik Prochnow
Meïkhâneh, Chants Du Dedans. Charts Du Dehors (Cas Particuliers)
Westliche Musiker und Musikerinnen, die mongolische Gesangstechniken beherrschen, sind nach wie vor selten. Einer der wenigen ist Johanni Curtet, der unter anderem auch die mongolische Pferdekopfgeige spielt. Mit seinen Multiinstrumentalistenfreunden Maria Laurent und Milad Pasta hat er fünf Jahre nach dem Album La Silencieuse ein weiteres Kleinod mit meist selbst komponiertem persisch-mongolisch-paneuropäischem Liedgut vorgelegt.
Ines Körver
Miri In The Green, 40 In A Room (Eigenverlag)
Aus dem Dreiländereck Südpfalz-Baden-Elsass kommt eine äußerst muntere Gruppe um die ausgezeichnete Sängerin Miriam Kühnel, die auch für fast alle Lieder verantwortlich zeichnet. Es wird eine bunte Mischung von Songs in Französisch und Englisch dargeboten, vielfältig in Stil und Instrumentierung. Hier fließen Chanson, Pop, Folk mit erkennbarer Spielfreude zu einer stimmungsvollen Produktion zusammen.
Rainer Katlewski
Muito Kaballa, Little Child (Rebel Up! Records)
Das in Köln basierte neunköpfige Bandprojekt agiert musikalisch zwischen Afrobeat, Jazz und Samba. Über weite Phasen kreieren die Musiker jedoch eine ruhige, fast introvertierte Stimmung. Mit vier Remixen wird den fünf ursprünglichen Jazzfusiontiteln noch eine elektronische Variante hinzugefügt. Nicht nur dank eines kritischen Songtextes, gesprochen von Gastmusiker Ade Bantu, eine Produktion für Kopf und Beine.
Christoph Schumacher
Sebastian Netta & Friends, Folks Musik (Pianissimo Musik)
Deutsche Volkslieder in hochklassigem Jazzgewand und mit einem rhythmischen Feuerwerk. Das sechsköpfige Ensemble um den Münsterländer Netta wandelt traditionelle Lieder wie „Alle Vögel sind schon da“ in ganz neue Klänge vor allem mit südamerikanischen Einflüssen. So innovativ hat man deutsche Liedkultur noch nicht gehört. Volksliedjazz auf höchstem Niveau.
Erik Prochnow
Cathrin Pfeifer, Quantum Mobilé (Eigenverlag)
Nicht das erste Soloalbum, aber nach eigener Aussage explizit das poetischste legt die Berliner Spitzenakkordeonistin hier vor. Großzügige 65 Minuten, 21 Tracks lang (das üppige Booklet für hinterher!) geht es in eine Art Klangkino (Freiluft!), wo die Bilder ganz von selbst in Kopf und mit Glück auch im Herzen entstehen. Nicht abwegig das Cineastische angesichts ihres immer wieder mal auch in Filmen zu hörenden Spiels.
Katrin Wilke
Sirocco, El Faro (Scirocco Music)
Mit ihrem zweiten Album ist diesem schwedischen Quartett eine wunderbare Zusammenstellung von Liedern in vier Sprachen gelungen. Schade, dass die Texte nur in lateinischen Buchstaben wiedergegeben werden. In jedem Fall ist es eine wahre Freude, den emotionalen und kreativen Arrangements von Sofia Berg-Böhm (voc), Patrik Bonnet (g, Ud), Hanna Stenlund Monthan (vc) und Fredrik Gille (perc) zuzuhören.
Matti Goldschmidt
Sorry Gilberto, Psychoactive Ghosts (Solaris Empire)
Lässig ist es, das fünfte Album des Berliner Duos Anne von Keller und Jakob Dobers. Zu dezent federnder Begleitung aus Schlagzeug, Orgel, Bass und Rhythmusgitarre singen sich die beiden unangestrengt durch viele Soundvarianten, mal solo, mal unisono; psychedelisch oder an den Neunziger-Indie-Grunge erinnernd. Ein Mix aus Sixtys-Sound und Filmmusik bei „The Beach“ zaubert einen sehnsüchtigen Blick aufs Meer in der Abendsonne.
Imke Staats
The Tambor Y Canto Company, Le Segunda (Quart de Lune)
Jazzmusiker aus Frankreich treffen hier auf Percussionisten der Karibik und Lateinamerikas. Sie vermitteln eine musikalische Reise durch die Länder der einzelnen Trommler. Eingängige Melodien, keine übertriebenen Trommelorgien sowie sich perfekt verbindende Jazzimprovisation von Piano und Saxofon prägen das Album. Erinnert manchmal an den Sound des argentinischen Tenorsaxofonisten Gato Barbieri.
Hans-Jürgen Lenhart
Doc Taylor And The Redhaired Girl, Around The Irish Sea (Prosodia)
Große Spielfreude aus Jena. Gemeinsam mit der walisischen Geigerin Jenny Price laden die Thüringer Multiinstrumentalisten Nico Schneider und Tim Liebert zu einer mitreißenden Reise rund um die Irische See ein. Mit ausdrucksstarken Stimmen und einer Fülle an Instrumenten präsentieren sie eigene Kompositionen und traditionelle Shantys, Kneipenlieder, Auswanderersongs, Balladen über Ziegen oder Hausfrauen sowie schnelle Tanzmelodien aus Irland, Schottland, England, Wales oder der Bretagne. Hörenswert.
Erik Prochnow
Fraya Thomsen, Release (Eigenverlag)
Diese ursprünglich dreiteilige Komposition der schottischen Harfenistin war eine Auftragsarbeit, die anlässlich Celtic Connections 2017 live aufgeführt wurde. Das Album jedoch entstand coronatypisch in den jeweiligen Heimstudios der sieben beteiligten Musiker und Musikerinnen, die dort ihre Parts einspielten. Musikalisch interessant variierend zwischen Folk und Fusion, die Texte sind jedoch leider oft kaum zu verstehen.
Mike Kamp
Eva Väljaots, Hundinuiaõis – Bulrush Bloom (Eigenverlag)
Zehn meditative Kompositionen über das Wunder und die Weisheiten der Binsenblüte. Exzellent gespielt werden sie auf verschiedenen estnischen Kannelen, griffbrettlosen Saiteninstrumenten aus der Familie der baltischen Zithern. Eva Väljaots demonstriert auf ihrem Debüt, warum sie zur führenden Kannelinterpretin ihres Landes zählt. Ihre verletzlichen musikalischen Improvisationen lassen nicht nur den Charakter der Binse auferstehen. Sie berühren tief.
Erik Prochnow
Vagabondoj, Traumtänzer (Eigenverlag)
Nach fünf Jahren präsentiert das im Jahre 2013 gegründete Quartett mit Ralph Hanl (g), Matthias Lang (dr), Bodo Scheer (cl) und Matthias Schütz (Tuba) sein nun zweites Album mit traditionellen Melodien, aber auch einigen Eigenkompositionen. Wobei die musikalische Palette über etwas Klezmer, Gypsy Music und Balkan mitunter auch diese Grenzen zu überschreiten scheint.
Matti Goldschmidt
Weggefährten, Wurzeln der Stille (Pfalz Records)
Ihre Kompositionen sind von ihrer therapeutischen und pädagogischen Arbeit geprägt. Das Pfälzer Trio Jana Barnert, Lisa Geörg und Rüdiger Böhm hat sich der heilenden Wirkung der Musik verschrieben. Ihre selbst ernannten Heillieder für Gesang, Flöte, Klavier und Gitarre strahlen in ihrer Klarheit in der Tat eine sehr beruhigende Wirkung aus. Die an der traditionellen Volksmusik orientierten eingängigen Melodien sowie deutschen Texte laden zum Mitsingen, Tanzen und vor allem zur Reflexion ein.
Erik Prochnow
Ute und Andreas Zöllner, Grundlos vergnügt (Eigenverlag)
Poetische Lieder, die den Charme französischer Chansons haben. Das Duo aus Dresden hat dreizehn Lieder eingesungen und zumeist mit Gitarre instrumentiert. Das sind eigene lyrische Songs oder Vertonungen von Joe Cocker, Leonard Cohen, Zaz und sogar von Metallica! Das Album bietet großartige Entdeckungen: Vertonungen wunderbarer deutscher Texte von Mascha Kaléko, Hans Kruppa oder Stefan Nilsson.
Udo Hinz


























































































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