An einem regnerischen Januarnachmittag 2026 wurde in Glasgow eine neue Form alternativer, grüner Energie entdeckt, die theoretisch einen beträchtlichen Teil der Stadt hätte mit Strom versorgen können. Die Energiequellen? Sechs Bands aus der frankokanadischen Provinz Quebec, die im Rahmen des Showcase Scotland mit elektrisierender Power aufspielten. Paruline ist ein von Charles Labrèche angeführtes Quintett, das auf Á Ceux Qui Veillent (alle Alben in diesem Block sind im Eigenverlag erschienen) mit seiner poppigen Mischung fröhlich Richtung Indiefolk marschiert. Banjo und Fiddle sowie traditionelle Elemente als Zitate passen wunderbar in ihr liedorientiertes Programm. Das Trio Cécilia hingegen beweist, dass es auch in Quebec Fans der keltischen Musik gibt. Und wie! Fiddle und Akkordeon werden auf Accent mit Überschallgeschwindigkeit bedient, während das Piano einen komplexen Soundteppich darunterlegt. Nur manchmal geht der Fuß vom Gaspedal, Tunes wie „Si Bheag Sí Mhór“ zum Beispiel lassen sich auch kaum anders spielen. Sur Ces Eaux des Trios É.T.É trägt ganz klar die weibliche Handschrift der beiden Élisabeths, vornehmlich Fiddle und Cello, ergänzt durch diverse Saiteninstrumente. Wunderbare Harmonien, Klassik, Jazz und viel Trad Québecois, das reißt mit. Und wo wir gerade bei weiblich sind, weiblicher als Germaine geht’s nimmer. Sechs Damen sind auf Chansons Honnitea vornehmlich traditionell a cappella unterwegs, punktuell begleitet von Percussion und zweimal Fiddle. Aber das Wie zählt! Überzeugend, kraftvoll, angenehm und einfach nur charmant, Germaine sind eine Wucht. Es klingt traditionell (mit Spuren von Klassik oder Jazz), was La Déferlance auf Âmes Des Bois präsentieren, ist es aber meist nicht. Das Quartett besticht durch einen kompakten Chorgesang, instrumentell dominieren Fiddle und Akkordeon, Fußpercussion ist natürlich auch dabei. All das kommt mit viel Schwung rüber, und es ist hörbar, dass diese bestens eingespielte Band sehr liveerfahren ist. Dann wären da noch Bon Débarras, zwei Herren (Gitarre, Banjo, Mundharmonika – und wie! –, Percussion et cetera) und eine Fiddle spielende Dame, die live sowie auf dem Album Repères einen ungeheuren Spaß zu haben scheinen, egal, ob sie sich fantasievoll rhythmisch und sehr einfallsreich instrumental oder alle drei gesanglich bewundernswert artikulieren. Mal gleichzeitig wie Rap und Trad zu klingen, sie können das. Lebendige Traditionen, wie sie überzeugender kaum rüberkommen können. Und das alles – wie die anderen fünf Acts auch, und ich wiederhole mich gerne – selbst bei ruhigeren Stücken auf einem Energielevel, das die meisten anderen Völker erblassen lässt.











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