Yannick Monot ist in einschlägigen Kreisen als Cajunmusiker bekannt, sei es als Solist, sei es mit seinen Bands Nouvelle France oder dem Cajun Trio. Auch hat er 1976 die Bonner Band Le Clou mitgegründet, die im Dezember 2025 ihr letztes Konzert gab. En Chemin nennt Monot seine Lebenserzählung auf Französisch, seiner Muttersprache, in welcher er sie auch zuerst schrieb, wonach sie von Manuela Kohns und ihm selbst ins Deutsche übersetzt wurde. Das vorliegende Buch ist Teil eins, der von Monots Kindheit ab 1949 bis zur Gründung von Le Clou 1976 reicht. Teil zwei ist derzeit noch in Arbeit. Das Buch besteht aus sehr kurzweiligen und gut lesbar geschriebenen Kapiteln, auch wegen der voneinander getrennten kurzen Absätze. Fotos in eher mittlerer Druckqualität illustrieren es gefällig. In der deutschen Übersetzung wird indes der Konjunktiv des Öfteren falsch verwendet („wäre“ statt „sei“, „hätte“, statt „habe“ usw.). Das tut aber der Lesefreude keinen Abbruch.
Monot bezeichnet sich selbst als leidenschaftlichen Sammler, wobei er als Kind vor allem Schulen gesammelt habe. Das bedeutet nichts anderes, als dass er es in keiner Schule oder keine Schule es mit ihm lange aushielt. Er wuchs in Paris und Umgebung auf, seine Eltern hatten einen kleinen Laden mit Café. Aber die Herkunft seiner Familie in Concarneau in der Bretagne ist nicht unwichtig, weniger wegen eines musikalischen Einflusses von dort als wegen seines vielleicht geerbten bretonischen Dickkopfes. Den brauchte er auch, als er mit einer geschenkten Gitarre begann, Straßenmusik zu machen. Denn immer wieder kam er mit der Polizei in Konflikt, aber die Musik brachte ihm einigen – auch finanziellen – Erfolg ein. Während dieser Erzählung fällt auf, dass Monot mit Witz und Hartnäckigkeit seine Ziele verfolgte und dabei die moralischen Grenzen hier und da dazu passend ausdehnte. Von Alkohol und härteren Drogen indes hielt er sich fern, obwohl er sonst gerne dem folgte, was modern und angesagt war. Immerhin befinden wir uns in dieser Periode seines Lebens in der Hippiezeit.
Nach Beendigung der Schulzeit inklusive einer Ausbildung zum technischen Zeichner zog es Monot nach Schweden, wo er in Stockholm – unterbrochen von Reisen nach Toulon in der Provence und zweimal in die USA sowie zu seiner Wehrdienstzeit in Lothringen (auch Bielefeld lernte er in der Zeit kennen und lieben) – fünf Jahre verbrachte, neben einigen Liebschaften auch zahlreiche Musiker kennenlernte und sich nach und nach einen Namen in der schwedischen Musikszene machte. Das bedeutet indes nicht, dass er schwedische Folkmusik für sich entdeckte, wegen der heutzutage so mancher Folkie nach Schweden reist. Bei Monot waren es bekannte Rock- und Popmusiker, so auch Abba. Wichtiger für ihn aber waren die Schweden Lalla Hanson, Lil Hasse und Lena Anderson, der Amerikaner Jack Downing sowie der Engländer David Hynes, mit denen er Rock-, Blues- und Folkkonzerte gab und auch Platten aufnahm. Aber auch mit französischen Kolleginnen und Kollegen ging er auf Tour, die ihn zum Beispiel nach Rhodos und Spanien brachten. Auch machte er einmal mit Michel David zusammen in München Musik während des Oktoberfestes – als Schotten verkleidet.
Wie Monot zur Cajunmusik kam, wird nicht ganz klar, er liebte sie aber schon lange, wie er schreibt. Seine erste Zeit in den USA verbrachte er auf der Suche nach gutem Blues in New York, wo er auch das Woodstock Festival besuchte. Die zweite USA-Reise führte ihn außer erneut nach New York und San Francisco auch nach Louisiana, wo er Cajun in New Orleans und vor allem in Lafayette richtig kennenlernte. Und als er nach fünf Jahren Schweden verlassen wollte, weil ihm doch die Winter zu dunkel und lang und die Sommer zu mückenreich waren, aber noch nicht genau wusste, wohin, kam das Angebot von Michel David und Yves Gueit, mit ihnen zusammen in Bonn eine Cajunband zu gründen. Davon aber wird dann der zweite Teil berichten.
Die CD gleichen Namens übrigens ist zumindest kein Soundtrack zu Teil eins, eher zu Teil zwei. Sie enthält vor allem Cajunmusik (von Le Clou und Nouvelle France) sowie eher ruhigere Eigenkompositionen.
Michael A. Schmiedel
Yannick Monot:
En Chemin – Unterwegs, Teil 1. – Dörnberg : Krokodil-Records, 2026. – 241 S. : mit zahlr. Fotos
20,00 EUR





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