Die letzte Pointe kann warten

Manfred Hausin zum 75. Geburtstag

26. Oktober 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Seinen 75. Geburtstag feierte Manfred Hausin an einem Spätsommertag im kleinen Kreis mit seiner Familie und engen Weggefährten – und einer durfte dabei natürlich nicht fehlen: Hannes Wader, mit dem Hausin eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet. Hausins literarisches Leben ist immer auch ein Leben mit anderen gewesen. Er hat geschrieben, herausgegeben, organisiert, vermittelt und vor allem Menschen zusammengebracht. Seit Urzeiten lädt er verlässlich zur „Langen Nacht der Poesie“ ein, aus der sich über die Jahrzehnte ein einzigartiges Künstlernetzwerk entwickelt hat. Liedermacher, Schriftsteller, Kabarettisten, Schauspieler, Musiker und andere Bühnenkünstler gehören dazu, viele von ihnen sind Freunde geworden.

Hausins eigene literarische Laufbahn begann früh und eher beiläufig. Als Dreizehnjähriger half er seinem älteren Bruder dabei, Gedichte bei einer Zeitung unterzubringen. Als dessen Vorrat erschöpft war, schrieb Hausin selbst weiter. Aus dem kleinen Rollentausch wurde eine Berufung. Noch vor dem Abitur erschienen erste Gedichtbände; seitdem ist der Strom der Veröffentlichungen nicht abgerissen. Dabei hat Hausin nie sonderlich viel Wert darauf gelegt, sich auf eine literarische Schublade festlegen zu lassen. Seine „Hausinaden“ leben von überraschenden Wendungen, seine „Hausineseken“ und „Hausinschriften“ von genauer Beobachtung und einem Humor, der gern dort ansetzt, wo der Alltag seine unfreiwillig komischen Seiten zeigt. Sprache ist bei ihm niemals bloß Transportmittel, sie ist Material, Spielzeug und gelegentlich auch Waffe. Hausins Spott kann scharf sein. Wer in seinen Texten auftaucht, darf nicht unbedingt mit Schonung rechnen. Doch der Autor verteilt seine Treffer sehr gerecht – und nimmt sich selbst ausdrücklich davon nicht aus.

Manfred Hausins 75. Geburtstag sieht weniger nach Abschluss als nach Zwischenbilanz aus, denn 2026 veröffentlichte er ein neues Liederbuch, Dass wir unsere Lieder singen – Die singbaren Texte des Erzpoeten & Eulenspiegel, sowie das Musikalbum Grant & Grimm & Grins mit wiederentdeckten Aufnahmen von Musikkassette aus dem Jahr 1996, die technisch aufbereitet worden sind. Sie zeigen, wie erstaunlich wenig die Zeit Hausins Humor anhaben konnte: Die alten Texte treffen noch immer. So wird das Album zu einer Erst- oder Wiederbegegnung mit einem Künstler, dessen Ton unverwechselbar geblieben ist.

Und wer Hausin kennt, weiß schließlich auch: Die letzte Pointe kann warten. Solange am Tisch alte und neue Freunde sitzen, Geschichten erzählt werden, irgendwo eine vergessene Kassette auftaucht und auf dem Schreibtisch noch ein leeres Blatt liegt, hat ein Dichter wie Manfred Hausin wahrlich keinen Grund, Schluss zu machen.

Marc Liese, Oktober 2026

Manfred Hausin

Foto: Philipp Thonet

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung

L