Ein Zufallsfund in einem New Yorker Plattenladen bringt dem britischen Songpoeten Allan Taylor fast fünf Jahrzehnte nach Erscheinen seines Albums The Traveller internationale Aufmerksamkeit. In Williamsburg stieß Ed Sheeran auf die 1978 erschienene LP und teilte seine Begeisterung mit Millionen Followern: „Allan Taylor – The Traveller. I found it in a record store in Williamsburg, and I love it.“ Auf Instagram erhielt der Beitrag rund 750.000 Reaktionen. Aus dem persönlichen Fund wurde rasch ein Medienthema. Die BBC sprach von einer „überfälligen Anerkennung“, auch Der Spiegel griff die Wiederentdeckung auf.
Diese Aufmerksamkeit erreicht einen der letzten reisenden Troubadoure seiner Generation an einem Wendepunkt: Anfang 2026 verabschiedete sich der heute Achtzigjährige nach fast sechs Jahrzehnten on the road aus gesundheitlichen Gründen von Tourneen und Auftritten (siehe auch hier [Link: https://folker.world/horizonte/allan-taylor-3].
Taylor gehört zu den markantesten Stimmen der britischen Folk- und Singer-Songwriter-Szene. Nach frühen Auftritten mit Fairport Convention entwickelte er eine unverwechselbare Form erzählerischen Songwritings, verwurzelt im Folk und geprägt von europäischen Einflüssen. Seine warme, tief gezeichnete Stimme und sein nuanciertes Spiel auf Martin-Gitarren verleihen den Liedern emotionale Nähe. Sie führen an Orte, zu Begegnungen und Erinnerungen – bis aus fremden Geschichten eigene werden. Sein humanistischer Blick gilt oft Menschen, die sonst wenig Aufmerksamkeit erfahren.
In Europa fand Taylor über Jahrzehnte ein treues Publikum. Viele spätere Alben entstanden bei Stockfisch Records in Northeim, das mit Günter Pauler und seinem Team zu seiner künstlerischen Heimat in Deutschland wurde (siehe auch Beitrag aus folker #1.26 [Link: https://folker.world/horizonte/fuenf-jahrzehnte-deutsches-folkrevival-2].
Dass The Traveller nun ein neues Publikum findet, ist mehr als eine Randnotiz. Es ist die späte Anerkennung eines Lebenswerks, dessen künstlerische Kraft bis heute fortwirkt – und der Beweis dafür, dass große Liedkunst kein Verfallsdatum kennt.
Illya Kolba






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