Was wäre, wenn es Wirklichkeit wird?

Ein Bandurafestival – nicht nur in Berlin

8. Juli 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

Manchmal glaube ich, dass ich nie wieder so träumen kann wie früher, weil ich vielleicht in meinen Ambitionen zu kühn war. So wollte ich vor zehn Jahren unbedingt ein Festival für zeitgenössische Banduramusik ins Leben rufen, um Gleichgesinnte zusammenzubringen – Menschen, die die Bandura in einem anderen Licht und auf anderen Bühnen sehen wollen und aktiv darauf hinarbeiten. Zu dem Zeitpunkt war die Bandura noch wenig bekannt und wurde entweder mit akademischer Musik oder mit einer sehr nischenhaften Rekonstruktion der Volkstradition blinder Wandersänger in Verbindung gebracht, einem ausschließlich von Männern dominierten Bereich. Aber schon damals war mir klar, dass die Bandura so viel mehr ist – sie ist ein Instrument, auf dem man alle Musikgenres spielen, eigene Werke schaffen und Tradition neu interpretieren kann.
Text: Anastasiya Voytyuk

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass es nicht so einfach ist, von der Bandura zu sprechen – es handelt sich um ein Instrument, das fast ein Jahrhundert sowjetischer Besatzung überstanden und sich dadurch spürbar verändert hat. Wenn ich daher Bandura sage, meine ich eigentlich eine ganze Instrumentenfamilie. Und wenn ich sage, es gab keine Festivals für die Bandura, meine ich, dass es keine Alternative zu den Festivals für die akademische Bandura gab – also so etwas wie Woodstock oder ein cooles Festival für keltische Harfen.

Im Jahr 2017 fand „mein“ Festival zum ersten Mal in Lwiw unter dem Namen Lviv Bandur Fest statt und wurde bis zum Ausbruch der offenen Kriegshandlungen im Jahr 2022 fortgesetzt. Leider erging es unserem Festival damals wie den meisten ukrainischen Festivals: Entweder sie verschwanden von der Bildfläche oder wurden auf Eis gelegt. Ein Hoffnungsschimmer war dann für mich die Idee der Banduraspielerin Khrystyna Petrynka, die derzeit in Deutschland studiert, ein Festival in Berlin zu veranstalten. Sie schreibt ihre Abschlussarbeit über die Entwicklung der modernen Bandura und hatte in einem Jahr am Festival in Lwiw teilgenommen.

Seit 2022 haben sehr viele Banduraspieler:innen die Ukraine verlassen – ob dies vorübergehend oder dauerhaft ist, wird die Zeit zeigen, doch sie alle sind kulturelle Botschafter:innen der Ukraine und tragen dazu bei, die ukrainische Kultur bekannt zu machen. Und es ist nicht das erste Mal, dass eine solche Situation eintritt – bereits im letzten Jahrhundert kam es immer wieder vor, dass ganze Gruppen von Banduraspieler:innen ihre Heimat auf der Suche nach einem besseren Leben verließen.

Deshalb begeistert und schreckt mich die Idee zugleich, das Festival wiederzubeleben und es erneut in der Ukraine sowie zum ersten Mal auch in Berlin zu veranstalten, da mir bewusst ist, dass viel Arbeit vor uns liegt. Aber sicher auch viele freudige Momente. Wir wollen Musikschaffende, die zur Flucht gezwungen waren, zusammenbringen und den Kontakt aufrechterhalten, während wir gleichzeitig die Bandura in Europa bekannt machen.

Die Berliner Ausgabe, die den Namen Berlin Bandur Fest tragen wird, soll vom 11. bis 13. September 2026 stattfinden, die in Lwiw vom 24. bis 30. September. Darüber hinaus werden wir auch Festivalveranstaltungen in den Frontstädten Charkiw und Saporischschja durchführen. Wir laden alle ein, dabei zu sein und entweder die eigene Geschichte mit der Bandura zu erzählen oder einfach zuzuhören und Fragen zu stellen.

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Aufmacher:
Bandura-Camp beim Lviv Bandur Fest – Anastasiya Voytyuk vorne, 2. v. r.

Foto: Lviv Bandur Fest

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