In allen Himmelsrichtungen gestalten junge Musiker:innen die deutsche Folkszene neu. Mit Festivals, Workshops und Sessions oft jenseits klassischer Festivalstrukturen und fernab reiner Bühnenprogramme. Neue Impulse werden entwickelt, Generationen treffen aufeinander und unterschiedliche Teilszenen kommen miteinander in Kontakt. Die folgenden Steckbriefe geben einen Einblick in einige dieser Initiativen, die auf ganz unterschiedliche Weise daran arbeiten, die Szene zu öffnen, zu verjüngen und weiterzudenken.
Interview: Alex Peters
Stellt euch doch kurz vor: Wer seid ihr, wo findet euer Festival statt, und wie ist die Idee zu dieser Veranstaltung entstanden?
Folk ’n’ Walde ist ein kleines aber feines Festival für Folkmusik aller Art. Es findet jedes Jahr am letzten Februarwochenende im Parkclub in Fürstenwalde statt. Das nächste Mal am 26. und 27.02.2027. Organisiert wird Folk ’n’ Walde von mir, Marcus Fabian, 27, und meines Zeichens Folkmusiker bei der Familie Gerstenberg und dem Jugendfolkorchester. Ich kümmere mich um die gesamte Organisation, habe aber auch sehr viel Unterstützung von Freunden, Familie und natürlich vom Parkclub selbst. Deshalb spreche bei der Organisation auch oft von „uns“ statt von „mir“.
Die Idee entstand tatsächlich auf der Feier meines achtzehnten Geburtstags. Den habe ich im Parkclub Fürstenwalde gefeiert. Meine Bandkollegen Thomas Strauch und René Pütsch von der Familie Gerstenberg waren damals auch dabei. Sie saßen am Tresen, schauten sich um und waren überzeugt: Hier gehört Folkmusik hin! Im folgenden Jahr 2017 hat also Thomas Strauch, der auch in Frankfurt (Oder) das schöne Festival Folk im Fluss organisiert, ein erstes Folk ’n’ Walde auf die Beine gestellt. Bis zur Coronapandemie wurden unter seiner Federführung drei Ausgaben des Festivals gefeiert. Für die vierte Ausgabe im Jahr 2024 habe ich dann den Staffelstab übernommen, wobei Thomas mich immer noch bei vielen Dingen unterstützt.
Was macht euer Festival besonders? Gibt es ein Konzept, eine Atmosphäre oder einen Schwerpunkt, der eure Veranstaltung von anderen Festivals unterscheidet?
Das Konzept ist einfach ausgedrückt: Folk für die Menschen! Mein Ziel ist es, Folkmusik in vielen Facetten dem Publikum in Fürstenwalde und Umgebung näherzubringen, da hier doch immer noch relativ „luftleerer“ Raum in Sachen Folk herrscht. Dabei versuche ich die Schwelle für die Teilnahme am Festival niedrig zu halten, sodass alle Menschen die Möglichkeit haben, Folk ’n’ Walde zu erleben. Beim Booking lege ich neben der Qualität und Originalität der Beiträge und meinem Bauchgefühl auch Wert auf einen hohen Anteil weiblicher Acts auf der Bühne. Außerdem gehören für mich Musik und Bewegung zusammen, weshalb nicht nur „Sitzkonzerte“, sondern immer auch „Tanzkonzerte“ auf dem Programm stehen. Dieses Festivalrezept kam in den letzten Jahren gut beim Publikum an.
Die Organisation eines Festivals ist viel Arbeit. Wer steckt hinter dem Projekt, was hat euch motiviert und wie organisiert ihr euch als Team?
Die Hauptverantwortung liegt bei mir. Ich kümmere mich um die Bands, Fördermittel, Werbung und alle Absprachen mit dem Veranstaltungsort. Das funktioniert aber nur, weil ich Menschen an meiner Seite habe, die mitdenken, mit anfassen und auf die ich mich verlassen kann. Da wären unbedingt zu nennen Thomas Strauch, meine Eltern und Basti vom Parkclub. Der Großteil der Organisation und auch Hilfe beim Festival geschieht darüber hinaus ehrenamtlich. Ohne den Einsatz aller Beteiligten wäre das nicht möglich. Meine Motivation für das Festival ist natürlich die Verbreitung der Folkmusik, aber auch ein Stück weit die Freiheit, dass ich mir die Musik vor die Haustür holen kann, die mich begeistert.
Wie sieht ein typischer Festivaltag bei euch aus? Was erwartet die Besucher:innen – musikalisch, tänzerisch oder auch im gemeinsamen Miteinander?
Traditionell gibt es am Festivalfreitag zwei Konzerte vorrangig zum Zuhören. Musikalisch kommt es mir auf eine stimmungsvolle Mischung an. In diesem Jahr beglückten uns das Maradiuli Ensemble mit vierstimmigen Liedern aus der ganzen Welt und das Trio Golden Road mit frischem Irish Folk. Am Festivalsamstag wird bei Folk ’n’ Walde immer getanzt. Nachmittags kann man in einem Workshop den Einstieg in den europäischen Folktanz (Balfolk) ergründen, und am Abend kann das Gelernte bei zwei Tanzbands direkt angewandt werden. Das verbindende Element der Folkmusik steht immer im Vordergrund, weshalb nach den Konzerten an beiden Festivaltagen offene Folksessions stattfinden. Hier kann jede:r aktiver Teil des Festivals werden.
Wie finanziert ihr euer Festival? Und welche Strategien habt ihr, um die Veranstaltung auch langfristig wirtschaftlich tragfähig zu machen?
Wirtschaftlichkeit ist ein großes Thema. Ohne finanzielle Förderung geht es definitiv nicht. Momentan stütze ich mich neben den Eintrittsgeldern auf finanzielle Förderung durch die Stadt Fürstenwalde und den Landkreis Oder-Spree. Der Verein Profolk unterstützt mich ebenfalls.
Für mich kommt es derzeit nicht in Frage, den Eintrittspreis weiter zu erhöhen, denn das würde meinem Prinzip der leichten Erreichbarkeit des Festivals zuwiderlaufen. Daher bin ich schon auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, Gelder zu akquirieren. Ich denke dabei an Crowdfunding, Sponsoring durch regionale Betriebe und auch an andere Fördertöpfe.
Gab es einen Moment oder ein Erlebnis bei eurem Festival, bei dem ihr dachtet: Genau dafür machen wir das?
Besonders war für mich mein erstes selbst organisiertes Folk ’n’ Walde. Die Freude im Publikum und die viele Wertschätzung, die mir gespiegelt wurde, haben mich wirklich überwältigt. Das war für mich das Zeichen: Ich habe alles richtig gemacht und meine Vorstellungen in die Realität geholt.
Wie blickt ihr in die Zukunft? Was wünscht ihr euch für euer Festival – und vielleicht auch für die junge Folkszene in Deutschland insgesamt?
Die Zukunft des Festivals war auch bei der letzten Ausgabe schon ungewiss. Der Parkclub als Heimat von Folk ’n’ Walde hat seit weitreichenden Sparmaßnahmen in der Stadt ein Problem mit der Finanzierung. Ich hoffe sehr, dass der Parkclub erhalten bleibt, denn er ist so viel mehr als nur ein Veranstaltungsort. Wir bleiben optimistisch, daher steht auch der Festivaltermin für das nächste Jahr schon fest. Ich würde mir für Folk ’n’ Walde wünschen, dass das Publikum sich noch etwas verjüngt. Bundesweit haben wir den Trend, der wieder junges Blut in die Szene spült, in Brandenburg sind wir da noch etwas träge, aber auch hier bin ich zuversichtlich.
Wann: 26.-27.2.2027
Wo: Parkclub, Fürstenwalde
Wer: Programm steht noch nicht fest








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