In allen Himmelsrichtungen gestalten junge Musiker:innen die deutsche Folkszene neu. Mit Festivals, Workshops und Sessions oft jenseits klassischer Festivalstrukturen und fernab reiner Bühnenprogramme. Neue Impulse werden entwickelt, Generationen treffen aufeinander und unterschiedliche Teilszenen kommen miteinander in Kontakt. Die folgenden Steckbriefe geben einen Einblick in einige dieser Initiativen, die auf ganz unterschiedliche Weise daran arbeiten, die Szene zu öffnen, zu verjüngen und weiterzudenken.
Interview: Alex Peters
Stellt euch doch kurz vor: Wer seid ihr, wo findet euer Festival statt, und wie ist die Idee zu dieser Veranstaltung entstanden?
Wir sind ein kleines, liebevoll gestaltetes Festival für Folk- und Bluegrassmusik. Hervorgegangen ist es aus dem Cologne Bluegrass Bash, einer seit vielen Jahren etablierten und lebendigen Jamsession der Kölner Bluegrass-Szene. Unser Ziel ist es, nicht nur die lokale Bluegrasscommunity zu feiern, sondern auch anderen Folkgenres in der Stadt eine Bühne zu geben und Menschen zusammenzubringen, die diese Musik teilen. Denn im Zentrum der Bluegrasskultur steht das gemeinsame Musizieren: das Jammen.
Auch wenn es bei uns eine Bühne und ausgewählte Hauptacts gibt, liegt der eigentliche Fokus darauf, möglichst viele Musikerinnen und Musiker aktiv einzubeziehen. Sei es in Workshops oder bei unserer offenen Jam Night am Festivalfreitag, die Raum für spontanes Zusammenspiel und Begegnung schafft.
Bluegrass und Old-Time sind zwei Nischenmusikrichtungen, die in Deutschland (insbesondere in Köln) zunehmend an Beliebtheit gewinnen und aus denen eine junge, lebendige Szene hervorgeht. Wie viele Formen der Folkmusik ist auch diese von vielfältigen Einflüssen geprägt, darunter die irische traditionelle Musik sowie afrikanische Musiktraditionen. Unser Anliegen ist es, die Vielschichtigkeit und Offenheit dieser Musik sichtbar zu machen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bluegrassfestivals legen wir einen besonderen Fokus auf die progressiven Strömungen innerhalb des Genres und darauf, Brücken zu den unterschiedlichen Facetten der Folkmusik zu schlagen.
Was macht euer Festival besonders? Gibt es ein Konzept, eine Atmosphäre oder einen Schwerpunkt, der eure Veranstaltung von anderen Festivals unterscheidet?
Besonders hervorzuheben ist im Vergleich zu vielen anderen Festivals das ausgeprägte Element des Mitmachens. Ein Beispiel dafür neben den Jamsessions ist unser Square Dance, der sich mit einem Ceilidh vergleichen lässt: ein Gruppentanz, bei dem man jederzeit unkompliziert einsteigen und an dem man auch ohne Vorkenntnisse teilnehmen kann.
Die Organisation eines Festivals ist viel Arbeit. Wer steckt hinter dem Projekt, was hat euch motiviert und wie organisiert ihr euch als Team?
Wir sind ein sehr kleines Festival mit einem ebenso kleinen Team von nur wenigen Personen. Die meisten Teammitglieder sind selbst Musiker, der Kern beginnt mit Julia Zech und Pierce Black von der Band Stereo Naked und weiteren Mitgliedern der Cologne-Bluegrass-Bash-Community. Gemeinsam arbeiten wir mit der Wanderbühne Atelier Mobile. Was vor Jahren als eher improvisiertes „Hut-Gig“-Treffen begann, hat sich im Laufe der Zeit zu einer professionelleren Veranstaltung entwickelt.
Wie sieht ein typischer Festivaltag bei euch aus? Was erwartet die Besucher:innen – musikalisch, tänzerisch oder auch im gemeinsamen Miteinander?
Wir präsentieren eine vielfältige Mischung aus Musikstilen innerhalb der Folkszene. Schwerpunkte sind dabei Bluegrass und Old-Time, doch wir begrüßen auch Acts aus anderen Stilrichtungen wie Trad, Singer-Songwriter usw. Das Line-up ist stets abwechslungsreich, und wir setzen uns besonders dafür ein, weibliche Acts bestmöglich zu unterstützen.
Wie blickt ihr in die Zukunft? Was wünscht ihr euch für euer Festival – und vielleicht auch für die junge Folkszene in Deutschland insgesamt?
Ich spreche hier nur für mich, aber als junges Elternteil wünsche ich mir, dass meine Kinder in dieser Jamkultur aufwachsen. Ich habe nicht vor, das Festival stark zu vergrößern, wir buchen hauptsächlich Acts ohne große Namen. Ich liebe den sozialen Aspekt dieser Musik und dass sie alterslos ist: Junge spielen mit Alten, Profis mit Amateurmusikern. Das Wichtigste ist, dass Menschen zusammenkommen.
Wann: 07. bis 09.08.2026
Wo: Volksgarten, Haus Gotland, Köln-Südstadt
Wer: U. a. mit The Cologne Cowboy Choir, Hills of Belgium, Mama’s Broke, George & his new Heartaches, Humblo








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