Heiligs’ Blechle

Zwischen Jam, Tanz und Gemeinschaft – Junge Festivals in der deutschen Folkszene (2)

7. Juli 2026

Lesezeit: 5 Minute(n)

In allen Himmelsrichtungen gestalten junge Musiker:innen die deutsche Folkszene neu. Mit Festivals, Workshops und Sessions oft jenseits klassischer Festivalstrukturen und fernab reiner Bühnenprogramme. Neue Impulse werden entwickelt, Generationen treffen aufeinander und unterschiedliche Teilszenen kommen miteinander in Kontakt. Die folgenden Steckbriefe geben einen Einblick in einige dieser Initiativen, die auf ganz unterschiedliche Weise daran arbeiten, die Szene zu öffnen, zu verjüngen und weiterzudenken.
Interview: Alex Peters
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Stellt euch doch kurz vor: Wer seid ihr, wo findet euer Festival statt, und wie ist die Idee zu dieser Veranstaltung entstanden?

Wir sind Lukas Linzmeier, Martin Hegele, Magdalena Held und Felicitas Rachuth – eine Gruppe junger Musiker*innen, die in Schwaben ein Jugendseminar wieder einführen wollen. Es gibt in verschiedenen Regionen Bayerns Jugendseminare, bei denen man meist ein Wochenende lang zusammenkommt, um gemeinsam zu musizieren, zu tanzen, zu singen und sich kennenzulernen. In Schwaben gab es seit 2002 auch ein solches Jugendseminar, doch seit 2020 hat wegen Corona leider keines mehr stattgefunden. So haben wir jetzt die Initiative ergriffen und wollen jungen Menschen zeigen, was man bei diesen Seminaren für eine tolle Zeit haben kann.

Unser Ziel ist es, neben den etablierten Veranstaltungsformaten, einen Ort für junge Menschen zu schaffen, an dem man sich mit ähnlich Interessierten austauschen und Kontakte knüpfen kann. Dieser Ort soll für das Volksmusikwochenende für Jugendliche 2026 im Schullandheim des kleinen idyllischen Orts Stoffenried im Landkreis Günzburg sein, in dem wir am Wochenende vom 20. bis 22. November untergebracht sind.

Was macht euer Festival besonders? Gibt es ein Konzept, eine Atmosphäre oder einen Schwerpunkt, der eure Veranstaltung von anderen Festivals im weiteren Sinne unterscheidet?

Unser Seminar ist die einzige Veranstaltung für Jugendliche ab zwölf Jahren und junge Erwachsene in Schwaben. Die Basis unseres Repertoires ist zwar die schwäbische Volksmusik, von der wir vier auch stark geprägt sind, doch lassen wir auch andere Stilrichtungen miteinfließen. Unser Hauptziel ist es, uns zu vernetzen und zusammenzuwachsen, um eine lebendige neue Szene zu schaffen. Unser Jugendseminar steht für einen progressiven Umgang mit Volksmusik und wir freuen uns über Impulse unserer Teilnehmer*innen, die vielleicht aus anderen Stilrichtungen kommen.

Die Organisation eines Festivals ist viel Arbeit. Wer steckt hinter dem Projekt, was hat euch motiviert und wie organisiert ihr euch als Team?

Veranstalter des Seminars ist der Bezirk Schwaben (eine kommunale Gebietskörperschaft), mit dessen Volksmusikberatungsstelle wir zusammenarbeiten. Unser junges Team übernimmt dabei die Organisation, das Akquirieren neuer Teilnehmer*innen und die inhaltliche Ausrichtung. Das Vertrauen in uns von Seiten der Beratungsstelle ist dabei durch langjährige enge Kontakte und familiäre Beziehungen gegeben. Lukas hat ein Jahr lang ein FSJ dort gemacht, Martin spielt mit den beiden Verantwortlichen in einer Band, und die Eltern von Felicitas und Magdalena sind oder waren dort hauptamtlich tätig. Unser Ansprechpartner ist Christoph Lambertz, der uns immer wieder Tipps geben kann und uns unterstützt. Wir sind motiviert, ein eigenes Seminar von jungen Menschen für junge Menschen zu planen, neue Konzepte auszuprobieren und die Tradition eines Jugendseminars wieder aufblühen zu lassen.

Wie sieht ein typischer Festivaltag bei euch aus? Was erwartet die Besucher:innen – musikalisch, tänzerisch oder auch im gemeinsamen Miteinander?

Im Großen und Ganzen wird das bewährte Konzept beibehalten. Am Freitagabend lernt man sich beim gemeinsamen Tanzen erst einmal kennen und kommt langsam an. Am Samstag geht es dann richtig los. Wir teilen die etwa dreißig Teilnehmerinnen in kleine Ensembles auf, die dann bei einem oder einer der Referentinnen an einigen Stücken oder Liedern kreativ arbeiten. Die Gruppen werden im Voraus zu spielfähigen Besetzungen zusammengestellt. Bei uns sind alle Instrumente willkommen, nicht nur typische Instrumente der Volksmusik wie Geigen, Kontrabässe, Akkordeons, Trompeten, Klarinetten und so weiter, weil sie eine neue Klangfarbe beisteuern.

Neben den Gruppenarbeiten soll es auch einen Zeitslot für Workshops geben. Hier kann man zum Beispiel einen Grundkurs „Bayerisch-Tanzen“ besuchen oder an einem gemeinsamen Gespräch über die aktuelle Szene teilnehmen. Auch wollen wir diese Zeit nutzen, um die verschiedenen Instrumentengruppen zu kombinieren und eine gemischte Besetzung zusammenzustellen. Höhepunkt des Wochenendes ist der Abschlussabend am Samstag, an dem die Gruppen ihr jeweils Erarbeitetes vorstellen. Es wird größtenteils zum Tanz gespielt, aber vielleicht kommt auch mal ein Instrumentalstück oder Lied zum Zuhören vor. Besonders freuen wir uns natürlich auch auf die ausgelassene Stimmung beim gemeinsamen Musizieren nach dem offiziellen Programm.

Wie finanziert ihr euer Festival? Und welche Strategien habt ihr, um die Veranstaltung auch langfristig wirtschaftlich tragfähig zu machen?

Die Teilnehmer*innen müssen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung selbst tragen, dazu kommt ein Teilnehmendenbeitrag, den wir aber bewusst moderat ansetzen. Wir wollen die jungen Leute ja nicht durch hohe Kosten von der Teilnahme abhalten. Zum Glück gibt es beim Bezirk Schwaben einen Etat, mit dem die Jugendarbeit im Bereich Volksmusik unterstützt werden kann.

Gab es einen Moment oder ein Erlebnis bei eurem Festival, bei dem ihr dachtet: Genau dafür machen wir das?

Das ist schwer zu sagen, da wir ja dieses Jahr das erste Mal in unserem Team ein Seminar organisieren. Wir sind sicher, dass wir die ausgelassene Stimmung, die wir früher auf dem schwäbischen Jugendseminar erlebt haben, wieder aufleben lassen können und die Leute bei dem Seminar das auch erleben werden.

Wie blickt ihr in die Zukunft? Was wünscht ihr euch für euer Festival – und vielleicht auch für die junge Folkszene in Deutschland insgesamt?

Oft würden wir uns mehr Offenheit von jungen Menschen bei Kontakt mit unserer musikalischen Leidenschaft wünschen. Wir vier bekommen in unserem Alltag immer wieder schiefe Blicke, wenn wir erzählen, dass wir Volksmusik machen. Leider ist das ein sehr vorurteilsbelasteter Begriff, aber vielleicht können wir ja ein paar Leuten zeigen, dass Volksmusik auch und vor allem jungen Leuten Spaß machen kann und eine total tolle Art ist, tiefe Freundschaften zu schließen. Ein weiterer Wunsch von uns ist, dass es mehr Möglichkeiten gibt, bei denen sich die verschiedenen Folkszenen begegnen und auch hier mögliche Vorurteile abgelegt werden können. Folkmusik und Volksmusik sind unserer Meinung nach sehr verwandt oder sogar dasselbe, und die gegenseitige Begegnung kann für alle nur sehr wertvoll sein. Ansonsten hoffen wir natürlich sehr, dass unser Seminar von Jugendlichen angenommen wird und dass wir genügend neue Leute erreichen können. Wir wünschen uns, dass unsere Initiative ein Startpunkt für das neue Jugendseminar ist und fest im Jahresprogramm der Volksmusikberatungsstelle des Bezirks Schwaben bestehen bleibt.

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    Wann: 20. bis 22.11.2026

    Wo: Schullandheim, Stoffenried

    Wer: Martin Hegele, Magdalena Held, Lukas Linzmeier, Felicitas Rachuth

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    Aufmacher:
    Das Heiligs‘-Blechle-Orgateam

    Foto: Michael Held

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