Hildá Länsman

Joik-Innovatorin

18. September 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

Hildá Länsman muss zu den innovativsten Sámi-Musikschaffenden der jüngeren Generation gezählt werden, bringt sie doch den traditionellen Joik ständig in neue Formen. Geboren und aufgewachsen ist sie im winzigen Dorf Utsjoki im äußersten Norden Finnlands an der Grenze zu Norwegen. Ihre Mutter ist mit Ulla Pirttijärvi die bedeutendste Joikerin Finnlands, die mit ihrem abwechslungsreichen Vortragsstil ihre Tochter beeinflusste, auch wenn, wie Länsman kürzlich erzählte, Mutter und Tochter nicht immer einer Meinung sind, welche musikalischen Wege beschritten werden sollten.
Text: Willi Klopottek

Hildá Länsman ist Teil einer Folge der neuen Staffel der ZDF-Dokuserie Song Trip, in der sie einen Song gemeinsam mit Rea Garvey entwickelt und auch der Joik eine zentrale Rolle spielt. Die Folgen der Serie sind aktuell in der ZDF-Mediathek zu finden.

Hildá Länsman wuchs in traditionellem Rahmen auf und war schon von Kindesbeinen an in die Rentierzucht der Familie und die Herstellung traditioneller Kleidung einbezogen. Sie lernte sehr früh zu joiken, was außerhalb der Sámi-Community in einigen Bereichen bis heute oft weder akzeptiert noch respektiert wird. Das hat einen historischen Hintergrund. Vor gut vierhundert Jahren kamen christliche, norwegische Missionare in das Siedlungsgebiet der Sámi, die deren schamanistischen Glauben sowie deren Traditionen verteufelten und verboten. Unter anderem untersagten die Missionare das Joiken, ließen die traditionellen, verzierten Schamanentrommeln als zentrale Begleitinstrumente beim Joiken verbrennen, genauso wie die hochaufragenden, markant geformten Frauenkopfbedeckungen Ládjogahpir, die, wie Länsman berichtet, von den Missionaren als „Teufelspenisse“ bezeichnet wurden. Sie erzählt auch, dass sie sogar noch in ihrer Schulzeit von Mitschüler:innen ausgelacht und verspottet wurde, wenn sie joikte. Heute spielt sie selbstbewusst die alte Trommel zu ihrem Joik und fertigt sich ihre eigenen Ládjogahpir-Mützen an.

Foto: Dánil Røkke

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Hildá Länsmans musikalische Karriere begann früh. Bereits mit neun Jahren durfte sie bei zwei Stücken des dritten Soloalbums Ulla Pirttijärvis, Máttaráhku Askái – In Our Foremothers’ Arms von 2002, ihre Mutter mit ihrem Backgroundgesang begleiten. Die Zusammenarbeit zwischen Mutter und Tochter setzte sich Jahre später intensiviert fort, als sie unter dem Namen Solju zwei Alben veröffentlichten, auf denen sie als gleichberechtigte Vokalistinnen zu hören sind. 2018 erschien die gemeinsame Platte Ođđa Áigodat – New Times, vier Jahre später folgte Uvjamuohta – Powder Snow. Es ist sehr interessant, wie hier die mehr erdige Stimme Pirttijävis mit dem jüngeren Timbre Länsmans in einen Dialog eintritt.

„… stets innovativ sowie tief und überzeugend im Joik verwurzelt.“

Auf dem 2018er-Album finden sich eine Reihe von Popelementen. Eingespielt wurde es mit akustischen Instrumenten, Synthesizer und Unterstützung des Tschechischen National-Sinfonieorchesters. In Kanada wurde es mit einem Indigenous Music Award (IMA) ausgezeichnet, ein Jahr später ehrte man das Duo in Finnland als „Folk Music Creator of the Year“. Das musikalisch nicht unähnliche Folgewerk landete in zwei aufeinanderfolgenden Monaten auf Platz vier der World Music Charts Europe.

Hildá Länsman an der WOMEX 2025

Foto: Willi Klopottek

Zwischen den beiden Alben mit ihrer Mutter erschien 2019 unter dem Namen Vildá Vildaluodda – Wildprint in Zusammenarbeit mit der jungen finnischen Akkordeonistin Viivi Maria Saarenkylä sowie einer Reihe von musikalischen Gästen. Diese Veröffentlichung führte dazu, dass die beiden sich bei der im selben Jahr im finnischen Tampere stattfindenden Weltmusikmesse WOMEX als einer der ausgewählten vier Acts bei der Eröffnungsveranstaltung auf großer Bühne präsentieren und das Fachpublikum beeindrucken konnten. Das Besondere an dieser Formation war, dass hier der Joik der Samen überzeugend mit Elementen der finnischen Tradition verbunden wurde und eine ganze Reihe von gut tanzbaren Rhythmen enthielt. Das britische Songlines-Magazin zählte die Platte zu den zehn besten des Jahres.

Foto: Dánil Røkke

Seit 2015 arbeitet Hildá Länsman auch mit progressiven Rockmusikern unter dem Bandnamen Gájanas zusammen. Die typische Besetzung ist E-Gitarre, E-Bass, Drums und gelegentlich Cello. 2017 kürte man das Quartett beim renommierten Folkfestival im westfinnischen Kaustinen zur Band des Jahres. Das im Jahr 2021 veröffentlichte Debüt Čihkkojuvvon – Hidden war Album des Jahres bei den erneut kanadischen Summer Solstice Indigenous Music Awards. Es ist ganz erstaunlich, wie problemlos die Band Joik und am Joik orientierten Gesang in den Rockkontext integriert, ohne die Sámi-Erdung zu verlieren.

Nachdem Länsman zusammen mit Saarenkylä als Vildá die WOMEX 2019 mit eröffnen konnte, wurde sie zur erneut in Tampere stattfindenden Ausgabe der Messe des Jahres 2025 für einen der begehrten Showcases ausgewählt. Zum zweiten Mal auf einer WOMEX-Bühne, präsentierte sie ihr gerade frisch erschienenes Album Dajan, auf dem sie abermals neue Wege beschritt. Aufgenommen wurde es zusammen mit dem Elektromusiker und Sounddesigner Tuomas Norvio aus Helsinki – live dargeboten mit Visuals der Sámi-Künstlerin Alice Marie Jektevik. Absolut aufregend, selbst für Menschen, die sonst keine Fans elektronischer Musik sind!

Hildá Länsman erweist sich einfach immer wieder als hervorragende, expressive Stimme mit einer fesselnden Bühnenpräsenz – stets innovativ sowie tief und überzeugend im Joik verwurzelt.

www.hildalansman.com

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Aufmacher:
Hildá Länsman

Foto: Dánil Røkke

Aktuelles Album:

Dajan (mit Tuomas Norvio; Fierran Records, 2025)

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