MärzTanz Festival & Tanz und Verbindung

Zwischen Jam, Tanz und Gemeinschaft – Junge Festivals in der deutschen Folkszene (4)

13. Juli 2026

Lesezeit: 6 Minute(n)

In allen Himmelsrichtungen gestalten junge Musiker:innen die deutsche Folkszene neu. Mit Festivals, Workshops und Sessions oft jenseits klassischer Festivalstrukturen und fernab reiner Bühnenprogramme. Neue Impulse werden entwickelt, Generationen treffen aufeinander und unterschiedliche Teilszenen kommen miteinander in Kontakt. Die folgenden Steckbriefe geben einen Einblick in einige dieser Initiativen, die auf ganz unterschiedliche Weise daran arbeiten, die Szene zu öffnen, zu verjüngen und weiterzudenken.
Interview: Alex Peters 
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Stellt euch doch kurz vor: Wer seid ihr, wo findet euer Festival statt, und wie ist die Idee zu dieser Veranstaltung entstanden?

Ich bin Frieda Schellhorn, kenne Folkmusik und Folktanz schon mein ganzes Leben lang. Ich bin mit Rudolstadt und Hohnstein aufgewachsen. In die Welt der Balfolk-Festivals bin ich 2013 dann so richtig eingetaucht und organisiere sowohl das MärzTanz Festival in Chemnitz als auch das Festival Tanz und Verbindung in Waldheim.

Beim MärzTanz war es so: Zu meinem Geburtstag hatte ich schon ein paar Jahre lang einen Tanzabend veranstaltet. Einige Menschen, die ich von weiter weg her eingeladen habe, antworteten mir, dass sie gern kämen, aber sich die Strecke für einen Abend nicht lohnt. Dieses Argument habe ich entkräftet, indem es dann ein Wochenende und dann von Donnerstag bis Sonntag wurde.

Bei der Suche nach einem Saal für das MärzTanz Festival habe ich online auf der Karte nach verschiedenen Suchbegriffen wie „Tanzsaal“, „Ballsaal“ et cetera gesucht. Dabei stieß ich auf den grünen Ballsaal im Ballhaus Lindenhof in Waldheim. Bei der Besichtigung waren wir uns schnell einig, dass dieser Saal sich für März nicht eignet, da er nicht beheizbar ist. Parallel dazu hatten mir Naragonia für März abgesagt, aber dann einen Termin im Mai vorgeschlagen. Schon zur Besichtigung wusste ich: Band und Saal möchte ich unbedingt zusammenbringen. Es war dann nur die Frage, ob an einem einzelnen Tanzabend oder an einem ganzen Wochenende. Die etwas abgelegene Lage hat mich dann entscheiden lassen: Es wird ein Wochenende – „Tanz und Verbindung“.

Der Name sollte Programm sein. Es geht um die Verbindung im Tanzen, es geht auch um die Verbindung von Balfolk und anderen „Szenen“. Es gab ein Mantrakonzert, einen Salsaworkshop, Yoga-Angebote, Kommunikationsworkshops. Ich möchte verschiedene Elemente verbinden, die ich als schön, verbindend und wertvoll für mich erlebt habe.

Bei beiden Festivals bin ich die Initiatorin. Hatte die Idee, entwickle Konzepte, suche die Bands aus. Dazu suche ich immer wieder Rat bei Freunden und bekomme großartige Unterstützung von Menschen, die ich mit meiner Idee angesteckt habe. Mit Uli Köhler haben wir einen Tontechniker gefunden, der alles voller Begeisterung mitträgt und bereit ist, den Ton für die gesamte Veranstaltung zu mischen. Das ist ein großer Beitrag zum Gelingen.

Zur Umsetzung der Festivals bin ich Mitglied beim co-kreativen Netzwerk geworden – einem jungen, in Nürnberg gegründeten Verein, der genau das als Ziel hat: sich vernetzen und gegenseitig bei der Umsetzung von Herzensprojekten unterstützen. Der Verein hat meine Vision unterstützt, ist nach bewilligtem Projektantrag nun Träger des Festivals, und ich bin die Verantwortliche des Projektes.

Was macht euer Festival besonders? Gibt es ein Konzept, eine Atmosphäre oder einen Schwerpunkt, der eure Veranstaltung von anderen Festivals unterscheidet?

Seit 2013 habe ich verschiedene Festivals kennengelernt und aus den Erfahrungen für meine beiden Festivals die Dinge mitgenommen, die mir gefallen haben oder wichtig sind. Neben einem offenen, bunten Miteinander und der Familienfreundlichkeit ist es mir wichtig, neben bekannten Bands auch noch nicht so bekannten Menschen eine Bühne zu geben. Denn jeder hat einmal angefangen. Richard Junge zum Beispiel ist ein junger Musiker aus Chemnitz und spielte bisher jedes Jahr beim MärzTanz Festival. Die Band Triaz habe ich nur kurz in Leipzig gehört und sie zu Tanz und Verbindung 2025 eingeladen, das Duo Giusto mit Sofia Meleleo und Ronja Lutz hat sich in Halle beim Duo-Lotto gefunden und wurde mir von einem Freund empfohlen. Ich habe sie dann eingeladen, ohne sie vorher jemals spielen gehört zu haben.

Mein Ziel dabei ist es, Musiker:innen angemessen zu bezahlen. Das ist nicht für jeden gleich, denn es gibt verschiedene Lebensrealitäten (Profi, nebenberuflich, Hobby, Bekanntheitsgrad, Erfahrung, Ausbildung, Niveau …). Auch hat meine Erfahrung gezeigt: Bei einem Festival mitzuwirken, schafft mehr Gemeinschaft, als es nur zu konsumieren. Im Gegensatz zu der Idee: Manche arbeiten, damit viele genießen und konsumieren können. Bei Festivals, auch in Frankreich oder Belgien, wo ich mitgearbeitet habe, habe ich mich viel mehr als Teil des Festivals gefühlt, als wenn ich nur Besucherin gewesen wäre. Daher gefällt mir das Konzept des Schweizer SimmelFolk Festivals sehr gut mit dem „Ämtli-Plan“: Jeder übernimmt ein, zwei kleine Aufgaben, und somit gestalten alle gemeinsam das Festival.

Die Organisation eines Festivals ist viel Arbeit. Wer steckt hinter dem Projekt, was hat euch motiviert und wie organisiert ihr euch als Team?

Ich habe einige Unterstützer, viele davon sind zuverlässig bei jedem Projekt wieder dabei. Uns alle treibt dabei der Enthusiasmus an. Der Wunsch, gemeinsam etwas Wunderbares zu kreieren, und die Erfahrung, dass uns das gut gelingt. Organisation ist nicht meine größte Stärke, daher holpert es auch mal an der einen oder anderen Stelle. Manchmal habe ich auch schon Menschen damit überfordert, dass ich sie zu spät um Unterstützung gebeten habe. Dadurch sind sie in Stress geraten, was vermeidbar gewesen wäre. Das ist ein Übungsfeld, in dem ich immer besser und alle Unterstützer und ich immer mehr ein Team werden. Bei der Dekoration mag ich schöne Details und habe einen großartigen Unterstützer dafür! Jean ist für die Deko vor Ort, Karo für die Flyer und Festivalbändchen zuständig.

Tanz und Verbindung

Wie sieht ein typischer Festivaltag bei euch aus? Was erwartet die Besucher:innen – musikalisch, tänzerisch oder auch im gemeinsamen Miteinander?

Der Festivaltag startet mit gemeinsamem Frühstück für die, die möchten. Wobei das Frühstück bis mittags geht, da meiner Erfahrung nach die wenigsten vor neun frühstücken möchten nach einem langen Abend. Anschließend gibt es Workshopangebote (Tanz, Musik, Kreatives, Yoga, Singen …). Diese entstehen aus den Vorschlägen, die Teilnehmer mir bei der Anmeldung geschickt haben, oder durch Menschen, die ich konkret angesprochen habe, weil ich einen bestimmten Workshop gern beim Festival wollte. In Zukunft wird der Workshopplan früher fertig sein als bei den letzten Veranstaltungen. Er war immer erst kurz vorher fertig. Bei Tanz und Verbindung haben wir im ersten Jahr versucht, den Plan vor Ort zu erstellen, wie ich es vom Wintertanz in Heldrungen kenne, doch das empfand ich als nicht so leicht. Daher wird er vorher erstellt. Auch haben wir auf den Festivals immer eine Möglichkeit zum Kleidertausch. So können wir solidarisch unseren Teil zur Nachhaltigkeit beitragen.

Wie finanziert ihr euer Festival? Und welche Strategien habt ihr, um die Veranstaltung auch langfristig wirtschaftlich tragfähig zu machen?

Bisher nur über Teilnehmerbeiträge. Wer Ideen hat, wie man Sponsoren oder Förderung bekommt: Gern her damit! Ich hatte einen Förderantrag versucht, da entsprachen wir aber nicht den Förderrichtlinien. Langfristig ist erst einmal der Plan, eine gelungene Veranstaltung zu kreieren, zu der Menschen wiederkommen möchten.

Gab es einen Moment oder ein Erlebnis bei eurem Festival, bei dem ihr dachtet: Genau dafür machen wir das?

Das ist jedes Mal der Fall, wenn dann alles fertig vorbereitet ist, der Saal betanzt wird und wir alle die zauberhafte Stimmung genießen können. Und es war auch der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich die Brötchenbestellung vergessen hatte, mir vor Verzweiflung die Tränen kamen, und innerhalb kürzester Zeit mehrere Menschen da waren, die mich in den Arm nahmen und in den umliegenden Bäckereien spontan einkaufen waren, sodass das gemeinsame Frühstück gerettet war. Und auch, wenn mir Menschen sagen, dass sie hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder stattfindet, weil sie eine so schöne Zeit erlebt hätten. Dann weiß ich, wofür wir das machen.

Wie blickt ihr in die Zukunft? Was wünscht ihr euch für euer Festival – und vielleicht auch für die junge Folkszene in Deutschland insgesamt?

Manchmal frage ich mich, ob es nicht völlig verrückt ist, habe dann aber doch meistens große Lust darauf. Und wenn eine Band in einem Jahr nicht kann, frage ich manchmal direkt für das Folgejahr an. Weil die Lust überwiegt. Ich weiß, dass es mit jedem Jahr leichter wird, weil die Erfahrung wächst, weil Routinen entstehen. Nicht jede Überlegung muss neu gedacht werden. Einiges können wir aus dem Vorjahr einfach wieder genauso nutzen.

Wir haben beim MärzTanz Festival eine Umfrage gemacht. Darin kam auch die Frage nach der Altersspanne vor. Es war schön zu sehen, dass so viele Menschen zwischen achtzehn und dreißig da waren. Genauso wie auch viele Menschen da waren, die seit über fünfzehn Jahren Balfolk oder Folktanz tanzen und inzwischen in ihren Fünfzigern oder noch älter sind. Es fühlte sich so harmonisch an. Das liebe ich schon immer in der Szene, dass von den ganz kleinen bis zu den ganz alten Menschen alle miteinander tanzen und herzlich miteinander umgehen.

Bei einzelnen Abendveranstaltungen wünsche ich mir immer wieder, dass auch mehr junge Menschen da sind. Viele Menschen kennen Balfolk einfach nicht. Immer wieder geistert in meinem Kopf auch die Überlegung, ob ich (mit anderen zusammen) zusätzlich regelmäßige Balfolkveranstaltungen für Neueinsteiger:innen anbieten könnte. Bisher ist das immer an einem zu vollen Terminplan und zu wenig Klarheit gescheitert. Aber so manche Menschen habe ich schon neu angesteckt mit der Balfolkliebe.

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MärzTanz Festival

Wann: 4.-7.3.2027

Wo: Haus des Gastes, Chemnitz-Reichenbrand

Wer: Programm steht noch nicht fest

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Aufmacher:
MärzTanz Festival
Links:

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