Die Hoyschrecken flogen wieder

25. Liederfest, Kulturfabrik, Hoyerswerda, 25.-27.11.2022

2. Dezember 2022

Lesezeit: 3 Minute(n)

Was lange währt, wird gut: Nach zwei coronabedingten Lockdownausfällen – das Liederfest 2020 fand wenigstens virtuell statt – stand nun endlich die Kulturfabrik Hoyerswerda wieder ganz im Zeichen der „Hoyschrecke“. Am letzten Novemberwochenende fand die 25. Ausgabe des Liederfestes als nachträgliches Jubiläum statt.
Text: Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Im Mittelpunkt stand wie in jedem Jahr der Wettbewerb am Samstagabend. Die daran Teilnehmenden waren bereits 2021 aus drei Dutzend Bewerbungen ausgewählt worden. Es zeigte sich, dass humorvolle, kabarettistische Chansoninterpreten oder -interpretinnen am Klavier oft im Vorteil sind – so auch dieses Mal mit dem Gewinn des Publikumspreises und damit einer „Hoyschrecken“-Trophäe durch Sven Garrecht aus Seligenstadt bei Frankfurt (Main). Sein Sieg war allerdings knapp, überzeugen konnte auf Platz zwei auch Krazy – mit bürgerlichem Namen Uta Titz – aus Köln, die der folker-Leserschaft noch vom Titelfoto der Dezemberausgabe #1.21 in Erinnerung sein dürfte. Krazys Songs sind gefühlvoll, was besonders das aktuelle Thema Krieg betrifft. Platz drei errangen mit Claudia Wołoszyn aus Frankfurt (Oder) und Geigerin Heike Mildner alte Hoyschrecken-Bekannte, die zudem am Abend zuvor die Publikumswertung der offenen Bühne gewonnen hatten, bei der acht Liedermacher und Liedermacherinnen aufgetreten waren.

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Die Jury entschied sich anders als die Zuschauerinnen und Zuschauer. Sie vergab die zweite Hoyschrecke an Maria Schüritz aus Leipzig, die mit ausdrucksstarkem Gesang zwischen Blues und Pop sowie nachdenklichen Texten überzeugte. Platz zwei ging auch hier an Krazy. Dritter wurde Torsten Torsten – so sein Künstlername – aus Leipzig, bei dem wohl vor allem zwei für Songpoeten ungewöhnliche Instrumente in Erinnerung bleiben: Hackbrett und Duduk.

Auf keinen Fall vergessen sollte man die anderen Beteiligten am Wettbewerb, da sie ähnliches künstlerisches Niveau boten wie die am Ende Ausgezeichneten. Dazu zählte die Schauspielbrigade im Duo aus Leipzig, das sind der Musiker Frank Raschke und der Schauspieler Tristan Becker mit etwas schwarzhumorigen Texten. Ebenso das Duo Brückner & Fox aus Bautzen in der Besetzung Akkordeon/Gitarre, die ein wenig an Rio Reiser und Gundermann erinnerten. Und schließlich aus Halle/Saale Anna-Maria Zinke mit ihrer Band Wise Old Men. Petra Schwarz von der Liederbestenliste führte in bewährter Weise als Moderatorin durch den Wettbewerb, Melvin Haack von Schnaps im Silbersee moderierte witzig mit treffenden Limericks die offene Bühne.

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Neben den beiden sehr gut besuchten Abendveranstaltungen bot die Jubiläums-Hoyschrecke weitere Höhepunkte. Liedurgestein Manfred Maurenbrecher gestaltete einen viel beachteten Workshop zum Thema „Geschichten zwischen den Liedern“, anschließend war er im Cafékonzert mit neuen und bewährten Songs zu erleben. Für viel Spaß sorgte danach Jens-Paul Wollenberg mit seiner Gruppe „Mobiles Waldzitherpunk-Kommando mit germanisch-depressiven Frequenzen“ bestehend aus Peggy Luck, Helene Déus, Toni Linke und ihm selbst – gute alte Folkhits, Brecht/Eisler, aber auch eigene Lieder.

Wer keine Gelegenheit hatte, nach Hoyerswerda zu kommen, konnte bei Radio Slubfurt im Internet beide Abendveranstaltungen live mitverfolgen. Teilnehmende und Publikum lobten das Liederfest für das hohe künstlerische Niveau, die gute Organisation und fairen Eintrittspreise. Die 26. Ausgabe wird vom 24. bis 26. November 2023 an gleicher Stelle stattfinden, Bewerbungen sind bis 30. September nächstes Jahr einzureichen. Alles Weitere dazu unter www.hoyschrecke.de.

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