kurz & knapp

aus folker #03-2026

14. September 2026

Lesezeit: 33 Minute(n)

José Afonso, Galinhas Do Mato (Mais 5)

Eigentlich schon 1985 erschienen, jetzt auf LP wiederveröffentlicht, ist Galinhas Do Mato das letzte Album des an ALS erkrankten und 1987 verstorbenen portugiesischen Sängers und Aktivisten. Die Lieder präsentieren traditionelle Melodien und erzählen Alltagsgeschichten auf eingängige und irgendwie heimelige Weise. Gerade das geradezu comichafte „Década De Salaomé“ macht gute Laune. Das Abschiedsalbum ist eine gute Möglichkeit, in das lange und umfangreiche Werk Afonsos einzusteigen.

Wolfgang Weitzdörfer

Amrita, Amrita (Eigenverlag)

Eine äußerst eigenwillige Produktion der Kanadierinnen Anita Katakkar (Tabla) und Kayla Milmine (Sopransaxofon). Traditionelle nordindische Musik und sehr freie jazzige Improvisationen öffnen einen ungewöhnlichen Hörraum, der schon aufgrund seiner Reduktion auf zwei Soloinstrumente Konzentration verlangt. Fans freigeistiger, inspirierter Musik werden hier reich belohnt.

Rolf Beydemüller

Nana Osei Twum Barima, Journey To The Unknown (Zephyrus)

Das Debütalbum des ghanaischen Sängers und Multiinstrumentalisten erfordert beim Hören durchaus ein wenig Konzentration. Nach dem Musikstudium in seiner Heimat hat er sich auf den Weg nach Belgien gemacht, wo er bis heute lebt und arbeitet. Seinen Wurzeln bleibt er aber tief verbunden, wie auch in „Message To My Ancestors“ zu hören ist, bei dem er von Nicolas Mortelmans an der Sitar begleitet wird. Sehr interessant, wenn man sich darauf einzulassen vermag.

Wolfgang Weitzdörfer

The Bluest Sky, Birdland (Eigenverlag)

Kopf und Frontmann des Americana-Roots-Music-Projekts aus New England ist Chuck Melchin, der mit dem Musikerkollektiv Bean Pickers Union einen Neuanfang gewagt hatte und nun mit seinem neuen Projekt bereits das vierte Album veröffentlicht. Die Musik von The Bluest Sky orientiert sich an klassischen Alt-Country-Vorbildern wie den Jayhawks oder Son Volt. Songs wie „Please Come Home“ oder „Magpie“ erreichen Geschwindigkeit, die Melodien bleiben im Ohr. Melchins angenehme Gesangsstimme ist zusätzlich ein entscheidender Faktor für die Güte der Musik. Ein feines Ende eines hörenswerten Albums.

Thomas Waldherr

Brigan, *Voce Di Mare E Di Vento (*Liburia Records)

Drei Italiener widmen sich mit Unterstützung des Sámi-Musikers Torgeir Vassvik dem Norden Europas und fassen ihre Naturerlebnisse in finnischer Tundra, mit Nordlichtern und der Begegnung mit Wind und Meer und Schnee und Eis in absonderliche bis experimentelle Töne. Die elf Lieder auf Voce Di Mare E Di Vento erzeugen eine eigentümliche Stimmung, der man sich schwer entziehen kann. Anspieltipps gibt es nicht, das Album ist als Gesamtkunstwerk zu verstehen – und zudem bis auf die gelegentlichen Vassvik-Beiträge ganz in Italienisch gehalten.

Wolfgang Weitzdörfer

Jacob Brodovsky, Tell The Kids We Tried (Make My Day Records)

Der Verlust seines Engagements in kanadischen Sommercamps ist das dominierende Ereignis, dem Brodovsky diese elf überwiegend zerbrechlichen Indie-Americana-Lamentos abgerungen hat. Am Aufbegehren gegen die Entwicklung wird, so scheint’s, noch gearbeitet – aber es kündigt sich im Albumtitel, einem etwas energischeren Halbrocker, und dem vergleichsweise leichtfüßigen „Beneath It All“ bereits an.

Christian Beck

Cocanha, Flame Folclòre (Bongo Joe)

Französische Folklore muss nicht das klassische Chanson mit Akkordeon und Rotweinklischee sein. Die beiden Musikerinnen Lila Fraysse und Corline Dufau vermischen auf ihrem dritten Album als Band Cocanha die okzitanische Sprache ihrer Heimat mit polyfonen Harmonien und jeder Menge kratzender und nach vorne drängender Percussion. Ihr Gesang ist mindestens ebenso fordernd – und packt einen, auch wenn man kein Wort versteht.

Wolfgang Weitzdörfer

Alin Coen, Du bedeutest mir die Welt (Pflanz einen Baum)

Viele der neuen Songs der Songwriterin Alin Coen sind am PC entstanden. Das hört man Du bedeutest mir die Welt aber tatsächlich nicht an, denn die zehn Lieder wirken sehr organisch, geradezu analog, auch wenn hier und da die Elektronik natürlich durchschimmert. Im Mittelpunkt steht der abwechslungsreiche Gesang, mal hektisch, mal episch, immer mit schönen Melodien. Ein Gute-Laune-Album.

Wolfgang Weitzdörfer

The Cousins Project – Kristina Stykos & Steve Mayone, Child Of The Hills (Thunder Ridge Reconds)

Das zweite Album der Singer-Songwriter-Cousins, wiederum von Stykos in ihrem Studio in Vermont aufgenommen, abgemischt und produziert. Stykos und Mayone teilen sich Gesang sowie Akustik- und E-Gitarren; hinzu kommen Mandoline, Mandola, Lap-Steel-Gitarre, Tenorukulele, Banjo und Bass. Plus Schlagzeug/Percussion. Wunderbar entspannte und toll gesungene Folksongs zwischen raffiniertem, folkigem Fingerpicking und rockigem Americana-Stil.

Ulrich Joosten

Kai Degenhardt, Zwischen Tellerrand und Horizont (Plattenbau)

Der jüngere Sohn von Franz Josef Degenhardt hat nach einem Album mit Gitarrenmusik und einem mit Arbeiterliedern auf seinem neunten Werk wieder selbst zur Feder gegriffen. Nachdenklich melancholische, poetische und kritische Lieder zur Zeit, Zuhörstoff ohne Pathos, schnörkellos zur Gitarre vorgetragen. Er hält auf seine Art und Weise fest an den alten Idealen, die schon sein Vater besungen hat.

Rainer Katlewski

Grey DeLisle & Les Greene, Grey & Greene (Humminbird Records)

Neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin und Synchronsprecherin ist Grey DeLisle einem breiteren Publikum auch als Sängerin bekannt. Ihr gesanglicher Mix aus Country, Rockabilly und Soul wird hier dann auch ganz wunderbar von Les Greene ergänzt, der neben Old-School-Soul auch einen feinen Gospeleinschlag mit einbringt. Ein Album, das vor Soul, Groove und Twang nur so strotzt.

Achim Hennes

Massa Dembele, Falatô (Not OK Records)

Sein drittes Studioalbum hat Dembele in Bobo-Dioulasso, Burkina Faso, mit lokalen Musikschaffenden aufgenommen. Seine meisterhaft gespielte westafrikanische Harfe Kamale Ngoni webt mit Balafon und Percussion einen hypnotischen Klangteppich, in den Gitarren und Blasinstrumente sich mit Dembeles kehligem, kraftvollen Gesang abwechselnd einbringen. Authentischer Afrobeat zwischen Fela Kuti und Ali Farka Touré.

Christoph Schumacher

Noah Derksen, Mercy On The Skyline (Eigenverlag)

Nach Liveaufnahmen und Coverversionen das vierte reguläre Album. Derksen ist ein modern klingender Songwriter mit gesellschaftlichem Anspruch, der musikalisch im Teich von Van Morrison und Jack Johnson fischt. Die Stimmung ist mal nachttrunken, mal soulig-entspannt, mal richtig uptempo. Auch die vielen weiblichen Gaststimmen, darunter Lori McKenna und May Erlewine, bürgen für Qualität.

Martin Wimmer

Fatoumata Diawara, Massa (No Format)

Die malische Sängerin, Songwriterin und Gitarristin Fatoumata Diawara begibt sich auf Massa („Der Ewige“) auf eine intime Reise zwischen den Welten, geleitet vom Glauben und dem Gedenken an ihren Vater. Das vierte Studioalbum ist nachdenklich und kraftvoll zugleich und entstand gemeinsam mit dem französischen Musiker M alias Matthieu Chedid. Aktueller Afropop, sowohl verwurzelt als auch zukunftsweisend.

Christoph Schumacher

dog&SCHWOAZ, Da nächste Dog (ShareMan)

Auch beim vierten Album Norbert Schermanns alias dog&SCHWOAZ scheint die Entscheidung zwischen Profi und Amateur noch nicht gefallen. Vierzehn – jedenfalls potenzielle – Episoden und Momente aus dem Leben eines Ösi-Liedermachers. Allesamt total sympathisch! Auch wenn ein gewisser Sinn für etwas sehr schlichtes Spiel und stilistisch sehr altmodische Gewänder beim Hören mitunter nicht schaden kann.

Christian Beck

Moyses Dos Santos, Maria (Far Out Recordings)

Der brasilianische E-Bassist und Komponist führt auf seinem Debütalbum brasilianische Musiktraditionen durch Smooth Jazz und fetzigen Bläserfunk, Soul und Disco. Das zumeist tanzbare Album hat einen sanften Groove, dazu kommen sphäriger Backgroundgesang von Dos Santos selbst und manchmal Streicher. Kein Geniestreich, jedoch ein angenehmes, gut produziertes Album.

Hans-Jürgen Lenhart

Nathan Evans Fox, Heirloom (Free Dirt Records)

Ein Dutzend überwiegend spröder zeitgenössischer Americana-Titel der Sorte, die weit mehr von der zur Schau gestellten Inbrunst der Darbietung lebt als von außergewöhnlicher musikalischer Prägnanz und Signifikanz. Das scheint angesichts des einen oder anderen etwas knackigeren und gefälligeren Ausreißers – Heartland Rocker, Old School Country, Appalachian Folk – eigentlich unter Wert verkauft.

Christian Beck

Maurizio Geri, Canzoni Da Bosco (Eigenverlag)

Geri spielt in Riccardo Tesis Banditaliana die Gitarre, singt und schreibt wunderschöne Lieder. Eine weitere große Liebe gilt dem Swing Jazz. Mit dem Konzeptalbum Canzoni Da Bosco locken er und seine Mitmusiker:innen uns in den Wald mit seinen Eichhörnchen und Turteltäubchen. Schmackhafte Pilze und Kastanien dürfen auch nicht fehlen. Ein liebevoll zubereitetes, leichtes und leckeres Mahl.

Martin Steiner

The Glass Hours, Chapel Glass (Cornelius Chapel Records)

The Glass Hours sind die Singer-Songwriter Megan Barbera und Brad Armstrong. Die beiden mischen in ihrer Musik Einflüsse aus den Bergen Colorados, woher Barbera kommt, mit Armstrongs Herkunft aus Alabama im tiefen Süden der USA. Songs wie „Adaline“ oder „In The Morning“ sind Indie-Folk-Country-Preziosen, die aber auch von einem starken Sound mit E-Gitarre, Drums und Bass geprägt sind. Die Songs sind immer wieder voller Melancholie und Sehnsucht. Bei „Adaline“ lassen die Schaukel auf der Veranda und die Kudzu-Ranken sofort ein Südstaatensetting im Kopf entstehen.

Thomas Waldherr

Heiner Goebbels, Walden (ECM Records)

Diese schon 1998 entstandene Einspielung mit dem Ensemble Modern, geschrieben für erweitertes Orchester mit Sprecher, ist inspiriert von Henry David Thoreaus gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1854. Auszüge aus Thoreaus Walden werden mit einem Arsenal ungewöhnlicher Instrumente umspielt, den Text deklamiert Bob Rutman (1931-2021), der auch singt und mit Steel Cello und Bow Chimes (beides selbst gebaute Instrumente) dem Orchester neue Farben liefert.

Gerd Döring

Garett Gunderson, Anywhere Anytime (Eigenverlag)

Lebensfroher Baywatch-Surfrock von einem Kanadier, der sich nach Kalifornien sehnt. Die Zeitreise in die Achtziger zaubert Keyboard-Sonnenschein, Saxofon-Palmen und Mitgrölrefrain-Strandbars aus der Bademütze. Perfekt für Rockfans barfuß am Grill, die sich „In The Sunlight“ nach „Miss Dynamite“ für „Soul Love“ sehnen.

Martin Wimmer

Tuva Halse, Reconnection (Jazzland Recordings)

In der Popularmusik hat die Geige hierzulande einen schweren Stand. Dass man dem Streichinstrument aber durchaus stimmig moderne Klänge entlocken kann, das beweist eindrucksvoll die junge norwegische Geigerin Tuva Halse. Auf ihrem neuen Album verbindet sie in zehn Kompositionen souverän Altes und Neues, Jazzgeige und traditionelle Melodien, ein Spagat der norwegischen Musikschaffenden oft verblüffend stimmig gelingt.

Gerd Döring

Glen Hansard, Don’t Settle – Transmissions West (Plateau Records)

Mit Hansards Tod bekommt der kurz zuvor erschienene zweite Teil seiner Transmissions-Restrospektive noch einmal eine ganz neue Bedeutung. Die Liveaufnahmen im Berliner Funkhaus aus dem Jahr 2025 zeigen Hansard in Hochform. An zwei Abenden interpretierte der Ire Schlüsselsongs seiner Karriere neu, die seine Band The Frames, das Duo The Swell Season mit Marketa Irglova und Soloalben umfasst. Die Songs erklingen roh und unmittelbar, egal ob Hansard rockt, Balladen anstimmt oder irische Traditionals singt. Ein Livealbum voller Intensität, das beim Hören direkt in den Konzertsaal trägt.

Erik Prochnow

Tish Hinojosa Trio, Live In Holland 1993 Part 1 & 2 (Strictly Country Records)

Unmittelbar nach ihrem Durchbruch gab die texanisch-mexikanische Grenzgängerin 1993 in Triobesetzung zwei Konzerte in den Niederlanden, die hier erstklassig dokumentiert werden. Eigene Country-, Folk-, Tejano- und Conjunto-Lieder in spanischer und englischer Sprache, dazu ausgefallene Coverversionen von unter anderem Peter Rowan, Paul Simon oder James McMurtry.

Martin Wimmer

Camilla Hole Trio, Langs (Vinyl; Taragot)

Wie die schwedische Polska so swingen auch die norwegischen Tänze Springar und Springleik. Wunderschöne Hirtenweisen bieten Raum für sphärische Improvisationen. Kontrabass, Schlagzeug und Vibrafon gehen eindeutig in Richtung Jazz, das Saxofon und die norwegische Sjøfloyte (traditionelle Blockflöte) der jungen Bandleaderin Camilla Hole klar in Richtung Folk. Alles ganz entspannt, und dabei total spannend!

Jens-Peter Müller

Ireke, Ayô Dele (Underdog)

Der Name des Pariser Duos Ireke („Zuckerrohr“) ist wie der Albumtitel Ayô Dele („Freude kommt zu mir“) der Sprache Yoruba entliehen. Auf ihrem zweiten Album umschmeicheln sie mit rhythmisch treibenden, zunehmend elektronischen Klängen geschmackvoll die intimen Frauenstimmen von Agnès Hélène, Olivya von Dowdelin sowie der beninisch-nigerianischen Sängerin Nayel Hoxo. Ihr sonniger Soul lässt wahrhaft Freude aufkommen.

Christoph Schumacher

Seu Jorge, Baile À La Baiana (Cafuné/Black Service)

Brasiliens Topstar setzt hier auf knackigen Funk aus den späten Siebzigern, frühen Achtzigern und ist ein echter Dancefloorfeger. Mit dabei sind Kollegen wie Peu Meurray. Ein packendes Album, das man durchaus in Konkurrenz zur Tanzmucke von Carlinhos Brown sehen kann, der aber insgesamt mit Melodik und Soundideen noch etwas variabler ist.

Hans-Jürgen Lenhart

Maria Kalaniemi & Timo Alakotila, Morgondimma (Åkerö)

Morgondimma („Morgendämmerung“) zum 35-jährigen Bestehen des legendären Klavier- und Akkordeonduos fängt mit einem instrumentalen Glückwunsch („Lyckönskan“) an und hört mit einem Choral („Koraali“) Alakotilas auf. Dazwischen virtuose finnische Polskas, der Tangohit „Metsäkukkia“, zwei weitere Tangos von Alakotila und Piazolla, herzerwärmender Gesang von Kalaniemi und ab und an ein Streichquartett. Ja, das macht glücklich!

Jens-Peter Müller

Veera Kuisma, Rautavuo (Eigenverlag)

Eine neue Stimme in der Folkszene. Die junge finnische Fiddlerin legt ein beeindruckendes Debüt vor. Mit ihrem zehnköpfigen Ensemble hat sie neun fast hypnotisch anmutende Kompositionen voller Energie eingespielt. Das Album führt musikalisch durch die vier Jahreszeiten. Auch wenn im Zentrum der melodischen Stücke das Streichquartett steht, geben Saxofon, Trompete, Schlagzeug, Piano, Orgel, Gitarre und Gesang der Musik einen ganz eigenen Charakter, in dem immer der starke Bezug des Nordic Folk zur Natur erklingt. Sehr hörenswert.

Erik Prochnow

Luka Kuplowsky, The Grass Grows, Antonych Grows (Outside Music)

Vertonte Gedichte des ukrainischen Dichter Bohdan-Ihor Antonytsch, der nur von 1909 bis 1937 lebte, bietet Luka Kuplowsky auf seinem neuen Album. Und das ist fraglos anspruchsvoll bis nischig. Denn die Frage für den Musiker ist: Wie vermittelt man ein Gedicht? Entsprechend ist das mal zugänglich wie in „You Are Music“, mal schwer zugänglich, wie in „A Proud Plant That Is Myself“. Wieder einmal gilt – wer sich auf Schwieriges einlassen kann, wird viel erleben können.

Wolfgang Weitzdörfer

Les Nénés Déjantes, Ôdes En Vie (RecordJet)

Zehn etwas freche, gut gelaunte und fröhliche Songs auf Französisch, Deutsch und Englisch bringt das neu gegründete Duo Les Nénés Déjantes – zu gut Deutsch: „Die durchgeknallten Brüste“ – zu Gehör. Beate Wein aus der Niederlausitz und Yaëlle Dorison aus Paris, zwei Musikerinnen und Clowninnen, haben schon in vielen Projekten mitgewirkt und sorgen jetzt im Kollektiv für feministische Horizonterheiterung.

Rainer Katlewski

Lila House, Weather Saiten (Sounds of Servus)

Lila House, das sind die Hackbrettspielerin Heidelore Wallisch-Schauer und der Gitarrist Thomas Wallisch-Schauer. Mit Titeln wie „Salzach Delta Blues“, „Alpenföhn Salsa“ oder „Dunnaweda Reggae“ führt uns das österreichische Musikerpaar in unterschiedlichste Musikwelten. Die beiden schaffen es, diese mit ihren Instrumenten leicht und locker zusammenzuführen. Musik kennt keine Grenzen.

Martin Steiner

Hans Lüdemann, On The Edges 4 (BMC)

Die Einspielung ist das vierte von fünf geplanten Alben, in denen der Pianist und Komponist Hans Lüdemann sich mit seinem achtköpfigen TransEuropeExpress Ensemble an die Ränder Europas begibt. Nach Ausflügen in Richtung Nordafrika, Skandinavien und Italien ist nun die Türkei an der Reihe, weswegen sich Lüdemann mit der Ney-Spielerin Burcu Karadað zusammengetan hat. Intellektuell und eher jazzig.

Ines Körver

Bongeziwe Mabandla, Ndingubani (Black Major)

Sein hohes Falsett ist das Markenzeichen seines swingenden fünften Albums. Der südafrikanische Künstler ist bekannt dafür, afrikanische Traditionen mit Folk, Soul und elektronischen Klängen zu verschmelzen. Sein neuestes Werk, dass auf Deutsch „Wer ich bin“ heißt, ist eine Feier des Lebens. In den fünfzehn Songs verarbeitet der Künstler eine Menge dunkler Erfahrungen wie eine Krebsdiagnose, Alkoholsucht oder Depression. Deren Überwindung zelebriert er mit einer ansteckenden Fröhlichkeit in seinen vielfarbigen Arrangements.

Erik Prochnow

James Maddock, Forever June (Masterdisk)

Der britische Singer-Songwriter ist vor einiger Zeit in die USA ausgewandert und hat sich dort offensichtlich bestens akklimatisiert. Speziell in den Up-tempo-Nummern klingt er ähnlich wie ein gewisser Bruce (mit dem er auch schon auf der Bühne stand), was vielleicht auch an seiner rauen, intensiven Stimme liegt. Das ist die Richtung, und wer das mag, wird mit dem Album ausgesprochen zufrieden sein.

Mike Kamp

George Mann & Si Kahn, Mayday! (Living Legacy Records)

Nach der ersten Kollaboration der beiden Gewerkschaftsaktivisten und Songwriter, Labor Day (2024), erfordert die politische Lage inzwischen eine andere Art von Songs („Anyone Can Be President“). Solche, „die unsere Herzen stark und standhaft für den Kampf machen“ (Si Kahn). Insgesamt dreizehn, davon zehn bislang unveröffentlichte Folk-/Americana-Songs, aufgenommen und produziert von Mann mit einer Riege exquisiter Studiomusiker:innen.

Ulrich Joosten

David Massey, Early Cuts (Swings & Misses) (Eigenverlag)

Gleich das erste Stück mit dem Titel „Labor Day“ rollt zügig und süffig los und bleibt in den Ohren. Und weiter geht es mit dynamischer und höchst unterhaltsamer Americana, angetrieben von Banjo, Dobro und Fiddle. Mit Texten, die mal tiefschürfend, mal traurig, mal humorvoll sind. David Massey ist das beste Beispiel dafür, wie viele großartige Songwriter und Musiker im Americana-Genre quasi unter dem Radar laufen, weil sie nicht Teil der großen Promotionmaschinerie sind. David Massey sollte viel öfter gehört werden.

Thomas Waldherr

Anna Margolina, Song Of A Girl (XJazz Music)

Jazz mit lyrischer Tiefe. Die in Berlin lebende Belarussin vertont auf ihrem zweiten Album die Gedichte ihrer jüdischen Landsmännin und Namensvetterin Anna Margolin, die 1952 verstarb. Musikalisch verbindet sie den Jazz ihrer Kompositionen mit Folk, Soul und elektronischen Klangfarben. Doch es ist vor allem der einfühlsame und vielseitige Gesang der ausgebildeten Musikerin, der den außergewöhnlichen Gedichten einer wenig bekannten Poetin eine neue Stimme verleiht.

Erik Prochnow

Paul McKenna, Uncovered – Live In Germany 2012 (Eigenverlag)

Was man alles so entdecken kann, wenn man anlässlich des zwanzigjährigen Bandjubiläums durch die Archive geht! Tatsächlich schlummerten da acht Songs und ein Instrumental in ausgezeichneter Livesoundqualität (Guntmar Feuerstein an den Reglern) und vor allem, die Schotten sind in bester Spiellaune. Das verlangte nach Veröffentlichung, leider nur als Download, denn die limitierten Vinyls sind wohl schon weg.

Mike Kamp

Mahan Mirarab, Unspoken (ACT)

Eingespielt hat der Gitarrist das Album mit einer eigens für ihn angefertigten Doppelhalsgitarre mit einem bundlosen und einem bündigen Griffbrett – hier die vertrauten Halbtöne der westlichen Welt, dort die mikrotonalen Klänge seiner Heimat. Auf seiner Klangreise, die vom Iran bis nach Wien führt, begleiten ihn mit dem Cellisten Kian Soltani und dem Bassisten Lars Danielsson illustre Mitstreiter. Den Schlusspunkt setzt er – schon daheim in Teheran war er Fan von Weather Report – mit einer Hommage an Joe Zawinul.

Gerd Döring

Jim Moray, Gallants (Managed Decline)

Das kriegt seit 25 Jahren kaum einer hin wie der Engländer Moray: Traditionelle Songs wie „Spencer The Rover“ so zu interpretieren, dass sie hundertprozentig zeitgenössisch klingen. Alles im eigenen Studio und teils mit kollegialer Unterstützung erarbeitet, die Arrangements mal im Big-Band- oder Blaskapellensound, mal klingt es wie eine Kora, mal wie ein ganzer Chor. Langweilig ist das nie!

Mike Kamp

Motyk & Sathanao, Crossroads (Aliud Records)

Das niederländische Streichgitarrenquartett Motyk – das Wort bedeutet „Bewegung“ –, tut sich mit dem georgischen Gesangsensemble Sathanao zusammen und präsentiert auf Crossroads eine eigentümlich fesselnde Mischung aus Klassik, Folklore und Gesang, die einen in ihrer Klarheit ziemlich tief berührt. Eine tolle und faszinierende Mixtur!

Wolfgang Weitzdörfer

Kjetil Mulelid, Piano, Unfolding (Sagene Records)

Das zweite Soloalbum des norwegischen Pianisten Kjetil Mulelid, der von der Kritik in eine Reihe mit berühmten Solopianisten wie Keith Jarrett und Chick Korea gestellt wird. Alle Stücke dieses Albums hat er selbst komponiert, das meiste ist eher langsam und melancholisch, und Folkelemente sind höchstens in Spurenelementen vertreten. Ideal für Fans von Ketil Bjørnstad in dessen puristischen Momenten.

Gabriele Haefs

Neha!, Svetu (CPL-Music)

Auf diesem Longplayerdebüt tragen sechs slowakische Sängerinnen mit unterschiedlichen musikalischen Hintergründen zehn traditionelle Lieder aus Bulgarien, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Spanien und der Ukraine vor. Alle Songtexte werden im Booklet auf Englisch zusammengefasst. Den polyfonen Gesang begleiten mehrere Gastmusiker an Harfe, Cajon und Cello. Ein vielschichtiges Album.

Ines Körver

Rio Nin, Movement (Timezone Records)

Das vierte Album des Nylonstring-Gitarristen Rio Nin alias Mario Brünink. Und wie bei den Vorgängern bereiten bereits die ersten „Movements“ eine poetische Reise vor, die im schönen Booklet durch lyrische Texte flankiert werden. Klare, still fließende, zeitlose Kompositionen, warmer, klassischer Tonfall. Musik, die man gerne mit geschlossenen Augen genießt.

Rolf Beydemüller

Northcote, To Cherish (Make My Day Records)

Es ist schon das siebte Album des Kanadiers Matt Goud, der hinter dem Musikprojekt steht. Der Singer-Songwriter präsentiert soliden Indiefolk mit Rockeinflüssen, in denen nicht nur in seiner Stimme ein wenig Springsteen anklingt. In den zehn Songs setzt Goud sich vor allem mit dem Scheitern einer langen Beziehung auseinander. Obwohl die Musik durchaus eingängig ist, fehlt ihr das Markante, um sie aus der Vielzahl ähnlicher Veröffentlichungen abzuheben.

Erik Prochnow

Marco Pandolfi, Rain Or Shine (Epops Music)

Hier ist ein absoluter Könner am Werk. Seit über drei Jahrzehnten zählt der Italiener zu den einflussreichsten Acts der internationalen Bluesszene. Jetzt meldet er sich mit einem herausragenden Album, dem dreizehnten, zurück. In den vierzehn Songs demonstriert der Multiinstrumentalist erneut sein tiefgehendes Songwriting in seinem typischen, erzählerischen Gesangsstil, gepaart mit exzellentem Gitarrenspiel. Auch wenn die Einflüsse des Chicago- oder Mississippi-Blues immer wieder durchscheinen, bewegt er sich doch zunehmend in Richtung Americana. Mitreißend.

Erik Prochnow

Es Pearl, Baggage Flies Free (Majestic Records)

Mit 74 Jahren hat der Sänger und Songschreiber Ed Snodderly alias Es Pearl aus Tennessee viel zu erzählen: von Menschen, Orten, Begebenheiten. Gekleidet in einen Sound aus Folk und Bluegrass, dargeboten von Nashville-Cracks, eingefangen durch den mehrfach mit Grammys ausgezeichneten Toningenieur Sean Sullivan, öffnet sich ein ruhiges Album zum Durchhören: mit Tim O’Brien an der Mandoline als Gastmusiker.

Volker Dick

Christina Pluhar & L’Arpeggiata, La Torre Del Oro (Erato/Warner Classics)

La Torre Del Oro, der Goldturm am Guadalquivir, steht dort, wo einst die Schiffe der Konquistadoren abfuhren. Ein zweifelhaftes Erbe. Christina Pluhar setzt mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata die Musik des alten Spaniens in Dialog mit Folklore und neuen Kompositionen aus Venezuela, Mexiko und Chile (hier mit einem Lied von Violeta Parra), nimmt zu Cembalo und Zink auch die Vihuela und den Quatro hinzu.

Gerd Döring

Punch Brothers, The Unsung Adventures Of Punch Brothers (Nonesuch)

Im Januar kommt das Akustikquintett um Chris Thile mit neuem Album zu uns. Es ist wieder eines, das souverän zwischen Folk und Kammermusik changiert. Das Label „Progressive Bluegrass“ hat man ihnen schnell angehängt, eine Kategorisierung, die von dem agilen Ensemble längst unterlaufen wird. Die Band spielt auf traditionellen Instrumenten – Mandoline, Banjo, Fiddle, Gitarre, Kontrabass – anspruchsvolle Musik.

Gerd Döring

Rauhbein, Rebellen & Helden (Perception)

Der Name ist Programm – bei Rauhbein geht es nicht gerade sanft zu. Deutschrock trifft auf Folk- und Celtic Punk, Sänger und Rauschebart Henry besingt den „Rausch“, „Meine Bar“ atmet die Dubliners ebenso wie „Pack schlägt sich“ die Stiff Little Fingers mit einer Fiddle agieren lässt. Man sollte auf härtere Klänge stehen, dann läuft Rebellen & Helden tatsächlich recht gut rein.

Wolfgang Weitzdörfer

Charlie Risso, Rituals (Eigenverlag)

Die teils stampfenden, elektronischen Rhythmen und die oft mit starkem Echo abgemischte Stimme der genuesischen Sängerin könnte man mit Dark Pop umschreiben. Ihre dunklen, englisch gesungenen Songs entführen uns in eine kalte, unwirtliche Welt. Mit von der Partie auf zwei Stücken ist der Sänger und Gitarrist Brian Lopez von Calexico.

Martin Steiner

Pino Ruffo, Pegno D’Ammore (Liburia Records)

Eine Liebeserklärung an seine süditalienische Heimat Neapel hat der Sänger Pino Rufo mit Pegno D’Ammore geschaffen. Er sieht sich als urbaner Minnesänger und Troubadour von heute, und das merkt man seiner Stimmgewalt auch direkt an. Abgerundet wird das Album von zahlreichen Gastbeiträgen an Saxofon, Geige oder Zupfinstrumenten. Erhebend, wenngleich nicht ganz einfach zu konsumieren.

Wolfgang Weitzdörfer

Ric Sattler Band, Westerwald Blues Live (Eigenverlag)

Deutschsprachiger Blues mit Ric Sattler und seinen zwei Kompagnons Lukas Czajkowski an der Rhythmusgitarre und Christian Leuenberg an Schlagzeug und Bass, live eingespielt, basisch, dreckig, erdig, eine feine Sache – wobei live vor Ort sicherlich die bessere Variante ist, das Trio zu erleben.

Wolfgang Weitzdörfer

Shooglenifty, Dig Deep (Shoogle Records)

Die zehnte Produktion der Erfinder des Acid Croft, einer Mischung aus Scottish Folk, Beats & Bass, Electronica & Dance. Das Sextett heißt neben zwei Gründungsmitgliedern auch Neulinge wie Fiddlerin Eilidh Shaw und Sängerin Kaela Rowan willkommen, die auch für Nicht-Tänzer für Abwechslung sorgt. Es bleibt beim energiegeladenen Sound, und das seit über 35 Jahren, wow! Und nochmals wow!

Mike Kamp

Slavyk, 11 Songs Of Love & Suffering (CPL-Music)

Die Welt könnte ein wirklich netter Ort sein, wenn alle etwas mehr Humor an den Tag legen würden. Das ist der Geist, der den Longplayer des polnisch-serbischen Quartetts durchweht. Zur Unterstützung des meist weiblichen Gesangs fahren die zwei Damen und zwei Herren von Banjo über Bodypercussion bis Kontrabass und Ukulele alles auf, was diese Botschaft unterstützt. Kurzweilig und Gute Laune fördernd.

Ines Körver

Liv Solveig, Everything I Didn’t Say (Listen Records)

Zart, sensibel, zerbrechlich – und deshalb stark: Wenn die deutsch-norwegische Sängerin und Geigerin singt, spürt man pure Gefühle. Ihre zehn neuen Songs zwischen Singer-Songwriter und Indiepop offenbaren intime Momente zwischen innerer Zerrissenheit und Zweifeln. Die feinsinnige Stimme und die atmosphärischen Lieder gehen tief, zeigen Verletzlichkeit und verströmen trotzdem eine große Kraft.

Udo Hinz

Colin Steele, Stramash II (Gadgemo Records)

Eigentlich ist es Jazz, und das ist bei Namen wie Dave Milligan (Piano) und Colin Steele (Trompete) auch kein Wunder. Aber dann sind auch Künstler wie Aidan O’Rourke, Su-a Lee oder Rory Campbell dabei, und somit ist der Nachfolger des 2008er-Erstlingswerks eine gelungene Mischung aus Folk und Jazz mit neun langen Instrumentals und deutlichem Übergewicht der zweiten Musiksparte.

Mike Kamp

Stranger Still, We Might Not Tell Everybody This (All-Set! Editions)

Passender Gruppenname: Seltsame akustische Musik des kanadischen Quartetts (Gitarre, Kontrabass, dreimal Gesang) zu seltsamen Texten des Dichters Alden Nowlan aus Nova Scotia. Pete Johnston ist für die fragilen Kompositionen zuständig, während Mim Adams und Randi Helmers den abstrakten, femininen (Harmonie-)Gesang besorgen. Definitiv nicht schlecht, aber sehr gewöhnungsbedürftig.

Mike Kamp

Die Strottern, Wia i tua (Cracked An Egg Records/Hoanzl)

Vor dreißig Jahren haben sich Klemens Lendl (Violine, Gesang, Komposition) und David Müller (Gitarre, Gesang, Komposition) zusammengetan, um dem Wienerlied mit ihrer eigenwilligen Perspektive neues Leben einzuhauchen. Mission sehr erfolgreich erfüllt! Im Leben geht’s nicht immer vorwärts – manchmal auch zurück. Davon erzählen die neun Songs mit Texten von Klemens Lendl, Christian Tesak und dem Lyriker Peter Ahorner. Manch bittere Botschaft wird sanft abgefedert von Martin Ptaks Posaune und Ensemble. Berührend ist die Coverversion von Gianmaria Testas „La Tua Voce“ – „Dei stimm“.

Petra Rieß

Surrender, Wild Country (Blue Betty Community Records)

Surrender Hill ist eine Countryband um das Ehepaar Robin Dean (Bass, Gitarre, Gesang) und Afton Salmon (Gesang). Die Stücke, bei denen Robin Dean Salmon den Sologesang übernimmt, sind oft rockiger ausgeprägt, während Afton Salmons Gesang traditioneller geprägt ist. Überragend wird es immer dann, wenn sich beide die Gesangparts teilen und die Band mit Mandoline, Fiddle oder Flügelhorn ergänzt.

Achim Hennes

Systema Solar, Futurx Primitivx 20|25 (Sambumbia Publishing)

Das kolumbianische Soundkollektiv mischt kolumbianische Rhythmen wie Cumbia, Fandango, Champeta und Bullerengue mit moderner elektronischer Tanzmusik wie Hip-Hop, Techno, Breakbeats und Scratching. Systema Solar zeigen, was in Südamerika wirklich angesagt ist. Ihr neues Album ist etwas einfacher geraten als ihre Vorgänger, straighter, mehr auf den Dancefloor gerichtet, aber dennoch voller Power.

Hans-Jürgen Lenhart

Time For Three & Joyce DiDonato, Emily – No Prisoner Be (Platoon/Naxos)

Gemeinsam mit einer prominenten Interpretin stellt das Trio hier Verse von Emily Dickinson vor. Mit zwei Geigen und einem Kontrabass sprengen Charles Yang, Nick Kendall und Ranaan Meyer seit Jahren die Genregrenzen, und sie wissen auch in den Kevin Puts vertonten Gedichten zu überzeugen. Nur ab und an verlässt die im Opernfach beheimatetet Joyce DiDonato die feine poetische Klangsprache, dann wird ihre üppige Stimme zu groß für die Verse.

Gerd Döring

Topette!!, Tazon (Eigenverlag)

„Made in Bristol, UK, in a spirit of European friendship and co-operation!“ Fantastische europäische Tanzmusik auf dem fünften und deutlich besten Album des abenteuerlichen Quintetts, nicht zuletzt Verdienst des neuen Percussionisten Laurence Hunt. Von Finnland bis nach Italien (plus Eigenkompositionen) geht es, nichts ist sicher vor der kompakten Spielweise der fünf Herren. Weit über eine Stunde Spielzeit!

Mike Kamp

Tovte, Cumulus (Broken Silence)

Von der Straße weg auf eine jüdische Hochzeit in der Kölner Synagoge – so begann das Quintett 2012, heute bestehend aus Silas Eifler (b), Tobias Gubesch (cl), Nathalie Litzner (v), Anna Neubert (v) und Leonard Spies (g). Auf ihrem mittlerweile dritten Album verbinden Tovte nach wie vor Einflüsse aus dem Balkan, des Klezmers sowie breitgefächerter europäischer Folklore zu einer aufgehenden Wolke hinein in wunderbare musikalische Sphären.

Matti Goldschmidt

Charles Victor, Wide Awake (Eigenverlag)

Der junge Berliner Songwriter spielt sich mit den acht Liedern seines Debüts in die erste Liga der hiesigen Americanaszene. Die Texte sind nachdenklich bis kritisch, immer mit Anspruch. Die Band variiert gekonnt traditionelle Folk- und Countrymuster mit viel Tempo und Gefühl. Liebenswert.

Martin Wimmer

Yonder, Salonfolk (Eigenverlag)

Verträumte, mal ruhigere, mal flottere Musik von Angelika Rusche-Göllnitz auf der Geige und Olaf Wiesner auf der Gitarre. Allesamt Eigenkompositionen, „inspiriert von der Fülle europäischer Folkmusik“ – „zwischen Dublin und Belgrad, Paris und Sofia, Odessa und Kiel“. Da sind wirklich sehr schöne Stücke dabei, wie der „Odd Waltz For Train Rides“.

Michael A. Schmiedel

Martha Zan, Wind (Eigenverlag)

Die Songwriterin und Ukulelelehrerin Martha Zan kommt aus Berlin und legt mit Wind ein Album vor, auf dem sie Songs von 2020 bis 2024 gesammelt und aufgenommen hat. Natürlich kommt die Ukulele zum Einsatz, aber die zwölf Lieder, auf Deutsch und Englisch gesungen, leben auch von Zans trockener und kräftiger Stimme, mit der sie auch ihre Kinder schon in den Schlaf gesungen hat. Beruhigend wirkt Wind dann auch, aber keineswegs einschläfernd.

Wolfgang Weitzdörfer

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