Paolo Angeli – Tenore Murales de Orgosolo

Vinti ’E Maju (Eigenverlag)

14. September 2026

Lesezeit: < 1 Minute(n)

Auf Vinti ’E Maju treffen avantgardistische Saitenklänge auf den Cantu a Tenore, eine archaische, über dreitausend Jahre alte, sardische Gesangstradition, die 2008 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Am Anfang von Paolo Angelis Musikschaffen stand die traditionelle, große sardische Baritongitarre. Später erweiterte er diese zu einem 18- bis 25-saitigen Instrument, das er vom Bass in eine Harfe, ja sogar in eine Kora verwandeln kann. Zum Klingen bringt er seine Schöpfung mit Fingerpicking, aber auch mit einem oder zwei Geigenbögen gleichzeitig. Mit vielen zusätzlichen elektronischen Tools verwandelt er eine glasklare, akustische Gitarre in eine E-Gitarre, ein Percussioninstrument oder ein Schafsglöckchen. Dieses ist wichtig, denn die ersten Sänger des polyfonen Cantu a Tenore waren Schafhirten, die aufgrund fehlender Instrumente auf der Weide ihren ureigenen Gesangsstil entwickelten. Die vier Tenore Murales de Orgosolo aus dem gleichnamigen Bergdorf im Herzen Sardiniens kontrastieren eindrücklich das Soundgerüst Angelis. Entstanden ist ein Amalgam zweier Musikstile, die mehr gemeinsam haben, als man denken würde. Eine spannende, wertvolle Zusammenarbeit.

Martin Steiner

Cover
Paolo Angeli – Tenore Murales de Orgosolo
Vinti ’E Maju (Eigenverlag)

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