Text: Simon Wascher
1980 gründeten Bertl Pfundner, Andreas Safer, Wolfgang Zagar und Edi Zwanzer die Western-&-Country-Band Folkfriends, inspiriert natürlich von dem Album Folk Friends, aufgenommen 1978 in Nordfriesland bei und mit Hannes Wader und Freunden. Wenig später gab es personelle Wechsel: 1981 ersetzte Wolfgang Moitz Edi Zwanzer, 1982 kam Michael Krusche dazu. Die Musik war nun ein Mix aus Western & Country, Irischem und ersten eigenen Liedern. Ab 1986 nannte sich das Quartett aus Wolfgang Moitz, Michael Krusche, Bertl Pfundner und Andreas Safer Aniada a Noar („Ein jeder ein Narr“) und begann, sich auch mit traditioneller Musik des Alpenraumes zu beschäftigen. Man spielte Konzerte in Österreich und Italien und nahm das Album Ruck ma zsamm auf. Seit damals wurden es sage und schreibe insgesamt zwanzig Tonträger – etwa ein Album alle zwei Jahre.
Das Interesse für die regionalen musikalischen Traditionen fügte sich nun ein in die sich entwickelnde „Neue Volksmusik“. Aniada a Noar prägten diese auch wesentlich mit. Hermann Fritz, der über die Linzer Stadtwerkstatt auch Gruppen wie die Urfahraner Aufgeiger, Attwenger oder die Florianer Tanzlgeiga beeinflusste, ist dabei als wichtiger Einfluss zu nennen – er vermittelte Andreas Safer einiges von seinem Repertoire.
In jener Zeit, in der Aniada a Noar viele Konzerte in Österreich, Deutschland (vor allem Bayern), Italien, Slowenien, Tschechien und Frankreich spielten, begann die Gruppe intensiv mit anderen Musikerinnen, Musikern und Autoren zu kooperieren. 1987 zum Beispiel begann die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Schriftsteller Reinhard P. Gruber aus Fohnsdorf, 1993 tourten Aniada a Noar mit Felix Mitterer. Kooperationen wie diese sind für die Gruppe bis heute ein wesentliches, sie prägendes Element.
Ab 2000 kamen eigene Weihnachtsprogramme mit wechselnden Gastmusikerinnen und -musikern dazu – Michele Pucci & Giulio Venier, Kevin Dempsey & Joe Broughton, Marios & Julie, Nataša Mirković & Matthias Loibner, János Hasur, Tünde & Géza Fábri, Emma Montanari, Wilfried und Bernadette Froihofer, Egon Egemann & Sascha Lackner, Marie-Theres & Linde Härtel … Dazu Projekte wie Noarn Groove – später Polka Potente – mit Reinhard Ziegerhofer, Jazzbassist und Musiker bei Broadlahn, sowie Gabriel Froihofer am Schlagzeug.
2012 und 2013 feierten Aniada a Noar ihr dreißigjähriges Jubiläum unverändert in der Besetzung Moitz, Krusche, Pfundner, Safer. Danach begann Michael Krusche, seine eigenen Wege als Liedermacher zu gehen. Aniada a Noar waren von da an ein Trio. Mit Khult veröffentlichen sie ihr erstes Album zu dritt, das Lied „Parce A Mi“ daraus wird „Lied des Monats“ der deutschen Liederbestenliste.
Auftritte auf vielen bekannten Bühnen prägten die folgenden Jahre – Akkordeonfestival Wien, Donaufest Ulm, Spielberg Musikfestival, Herzkasperlzelt Münchener Oktoberfest, ZOA-Festival Ardagger, Styriarte Graz, Möllner Folksfest, Salzkammergut Festwochen Gmunden, Jazzfestival Saalfelden, Tollwood München, Folk on Tour Italien, Bodenst@ndig Festival Salzburg, Konzerthaus Wien, Sounding Jerusalem Festival, Muth Wien, Cantamaggio Ancona, Musikverein Wien, Kultursommer Wien … Und natürlich entstehen in dieser Zeit mehrere auch preisgekrönte Alben – 33, In Compagnia, Summawind, Live.
Danach kam eine schwere Zeit für das Trio: Im September 2021 verlieren Wolfgang Moitz und Andreas Safer ihren langjährigen Weggefährten, Musikerkollegen und vor allem Freund, Bertl Pfundner, nach über vierzig gemeinsamen Jahren. Aniada a Noar sind heute also nur noch Wolfgang Moitz und Andreas Safer. Seit sie zu zweit sind, treten die beiden konsequent gemeinsam mit Gastmusikern und -musikerinnen auf, auch ihre Alben produzieren sie gemeinsam mit anderen. Es dauerte ein wenig, bis auch die Veranstaltenden verstanden, dass es und wie es weitergeht – und dass es gut ist so.
„Aniada a Noar prägten die Neue Volksmusik wesentlich mit.“
Regelmäßige musikalische Gäste sind der Akustikgitarrist und Bluessänger Martin Moro, mit dem die Band schon 1997 das Album Wärme aufgenommen hatte, sowie Lothar Lässer, Akkordeonist und Sänger, bekannt geworden als Musiker bei Deishovida, dem Sandy Lopicic Orkestar und Budowitz – dort mit Joshua Horowitz –, Lässer ist auch auf dem aktuellen Werk von Aniada a Noar zu hören, Jenseits des Ganges von 2024.
Weitere „neuere“ Projekte sind Noanfreiheit mit Maria Gstättner, Fagottistin, Komponistin und Forschende im Bereich musikalischer Improvisation sowie Senior Artist an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, und dem Jazzmusiker Stefan Heckel (Piano, Akkordeon, Komposition) oder Veselje („Freude“) mit Brina Vogelnik und Metod Banko.
Nun steht das 45-jährige Bühnenjubiläum an. Es wird mit einer Reihe von Auftritten gefeiert, als „Jubiläum 45 Jahre: Die Nacht der langen Narren“. Natürlich, wie könnte es anders sein, gemeinsam mit einem Reigen erlesener Gastmusiker und -musikerinnen: Lothar Lässer, Martin Moro, Maria Gstättner, Stefan Heckel, Emma Montanari, Giulio Venier & Flavio Bortuzzo. Am 10. September 2026 im Saal des Liebhartstaler Bockkellers des Wiener Volksliedwerkes, am Tag darauf im Kunsthaus Mürz in Mürzzuschlag und am 12. September in Greith im Sulmtal.
Mehr als 45 Jahre, das ist eine lange Zeit. Zeit, in der sich vieles veränderte: im Leben der Band, im Leben ihrer Musiker, hinsichtlich der gesellschaftlichen Bedingungen des Musikmachens und „Konsumierens“. Was als Western-&-Country-Band im Zeitalter der Langspielplatte und kleinen Kulturvereine begann, durchlebte den Aufstieg und Fall der CD sowie gesellschaftliche Verschiebungen, auch auf Seiten der Kulturveranstalter. Aniada a Noar haben dabei immer Publikum gefunden für ihre durchaus eigenständige Musik, und es zudem immer geschafft, auch ihr Stammpublikum mitzunehmen durch die wechselnden Zeiten.
Gratulationen an Wolfgang Moitz und Andreas Safer, an Aniada a Noar zu den bunten und wohlgelungenen ersten 45 Jahren sowie viel Erfolg für das, was sie aus der Zukunft machen. Eines ist sicher: Es wird gut.
Auswahldiskografie:
Ruck ma zsamm (ProSound, 1986)
Aniada a Noar, Vol. 1 (Garage Klang/Extraplatte, 1987, 1993)
Wärme (Extraplatte, 1997)
Es wird scho glei dumpa (Extraplatte, 2000)
Polka Potente (Extraplatte, 2007)
Khult (Hoanzl, 2013)
33 (Hoanzl, 2015)
Incompagnia (Hoanzl, 2016)
Jenseits des Ganges (Hoanzl, 2024)













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