editorial folker #03-23

Liebe Leserinnen und Leser,

19. September 2023

Lesezeit: 2 Minute(n)

editorial folker #3-23

„Heiß war es früher auch schon immer mal wieder.“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Schwerpunkt im letzten Heft „Klimawandel und Nachhaltigkeit in der (Folk-)Musik“ lag der kompletten Redaktion sehr am Herzen. Wir waren und sind der Meinung, dass solch einschneidende Themen in ein Heft gehören, zu dessen Konzept es zählt, sich neben der Musik auch aktiv mit dem Umfeld auseinanderzusetzen, in dem die Musik stattfindet. Deshalb waren wir natürlich auch sehr erfreut, dass die Resonanz auf das Heft fast ausschließlich positiv war.

Aber nur fast. Es gab auch Äußerungen, die zumindest mich etwas ratlos zurücklassen. Zum Beispiel diese hier: „Klimawandel, Nachhaltigkeit und Kapitalismuskritik als Topthemen sind aber schon grenzwertig für ein Musikmagazin. Da kann ich auch ein Greenpeace-Magazin kaufen.“ Absolut nichts gegen die Kollegen vom Greenpeace Magazin. Die machen einen fantastischen und notwendigen Job, aber mit Musik und dann auch noch Song/Folk/World haben sie eher weniger und wenn, dann selten was am Hut. Die Verbindung zwischen Musik und Klimawandel/Nachhaltigkeit herzustellen, sehe ich als unseren Job, und als Schwerpunktthema wird das gewiss nicht alle ein, zwei Jahre auftauchen. Dafür gibt es zu viele interessante Aspekte unserer Musik.

Und wie wär’s mit folgendem fulminanten Satz, mit dem uns (leider!) eine Abokündigung erreichte: „UNABHÄNGIGEN Musikjournalismus kann ich bei euch nicht finden – es wird alles treu und brav nachgebetet, was der Mainstream vorgibt!“ Auch nach einer Antwort auf meine Nachfrage, was die Person denn damit konkret meint, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, die Kritik bezieht sich eher auf die Tatsache, dass wir Punkte wie Klimawandel oder kulturelle Aneignung thematisieren, als daran, wie wir diese Themen anpacken.

Und wie wäre es mit folgender Aussage, warum ein Klimawandel-Schwerpunkt Unsinn ist? „Heiß war es früher auch schon immer mal wieder.“ Eigentlich lustig, wenn es nicht so traurig wäre.

Wir leben in einer Welt, in der Mitglieder der Politik das Kleben der Letzten Generation als „kriminell“ bezeichnen und Autofahrende rustikal zur Selbsthilfe greifen dürfen. Ob die Kleberei sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt, aber währenddessen hüpfen Hänschen und Lieschen Normalmensch mal eben mit dem Flieger für eine preiswerte Woche nach Malle. Und da sollen wir Zusammenhänge nicht nennen, die wir eigentlich nicht einmal herstellen müssen, weil sie schlicht und ergreifend da sind? Ist doch klar: Wenn sich Zehntausende zu unserem Lieblingsfestival in Rudolstadt treffen, dann hat das einen negativen ökologischen Effekt. Deshalb plädieren wir nicht für eine Absage dieses oder anderer Festivals, aber darüber zu diskutieren, wie dieser Effekt reduziert werden kann, das ist doch unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit.

Ganz gewiss ist der aktuelle Schwerpunkt „Mundart“ weniger kontrovers, aber vielleicht täusche ich mich da auch. Ich wünsche jedenfalls entspannte Lektüre, und ja, auch wenn der klassische Leser-„Brief“ (als Mail) immer seltener das Mittel der Wahl ist und eher Kommentare auf unserer Website oder Facebook die Regel geworden sind, wir freuen uns ehrlich über konstruktive Zuschriften, ganz gleich ob Lob oder Kritik, ganz gleich ob auf Hochdeutsch oder in Mundart …

Euer Herausgeber
Mike Kamp

Aufmacherfoto:

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