Andreas Januschke

Der Gitarrenfuchs aus Bayern

24. Juni 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

Bislang löste der Musikunterricht per Internet eher Skepsis aus. Doch ein bayerischer Musiker beweist mit einer einzigartigen Lernplattform für Gitarre, dass dem Onlinelernen in Zukunft durchaus eine wichtige Rolle beim Erlernen eines Instruments zukommen könnte.
Text: Erik Prochnow; Foto: Lukas Reiner

„Man kann doch nicht einen Jugendlichen, der Nirvana oder Red Hot Chili Peppers hört, mit ‚Hänschen klein‘ abstempeln“, sagt Andreas Januschke – und trifft damit sicherlich den Nerv vieler Jugendlicher und Erwachsener, die mit Begeisterung Gitarre spielen möchten. Das Saiteninstrument zählt noch immer zum Beliebtesten, wenn es darum geht, Folk oder Liedbegleitung zu erlernen. Nicht nur kann man sie leicht überall mit hinnehmen. Das Instrument wird vor allem wegen seiner Vielseitigkeit und der Möglichkeit geschätzt, sowohl Melodie als auch Rhythmus zu spielen. Auch Januschke begann deshalb voller Vorfreude mit vierzehn Jahren an einer Musikschule den Unterricht. Doch durch veraltetes Liedmaterial, strenge technische Vorgaben und klassische Notation verlor er schnell den Spaß. Also brachte er sich das Instrument erst einmal drei Jahre lang autodidaktisch bei, bis er einen offeneren Lehrer fand.

Aber seine Erfahrung legte bereits den Samen für seinen heutigen Beruf. Denn der aus dem bayerischen Burglengenfeld stammende Gitarrist betreibt seit 2019 die einzigartige Lernplattform für Gitarre, fingerfux.de. Sein umfangreiches Angebot, das sowohl kostenlose Infos, Tabs und Videos als auch umfassende Kurse zu Themen wie Liedbegleitung, Blues, Improvisation, Solospiel oder Travis-Picking beinhaltet, sucht seinesgleichen. Aber es ist vor allem Januschkes pädagogischer Ansatz, der seine Lernplattform so herausragend macht. „Das Allerwichtigste für mich ist, dass man mit den Menschen wirklich auf Augenhöhe arbeitet, sich in sie hineinversetzen kann und ihnen nicht Dinge aufdrückt“, sagt der heute 37-Jährige. Er selbst habe mal einen spielerisch exzellenten Gitarrenlehrer gehabt, der aber menschlich schwierig und didaktisch unfähig war, sodass er überhaupt nichts mitgenommen habe. „Wenn man sich aber auf den anderen einlassen kann und das Interesse da ist, sehe ich das Potenzial, das sich jeder erarbeiten kann“, erläutert Januschke.

Seine natürliche, authentische Haltung und seine einfühlende Ansprache kommen tatsächlich in jedem Video sowie seinen Kursen immer zum Ausdruck. „Vielleicht kommt mir dabei zugute, dass ich sehr pragmatisch bin und nichts übertheoretisiere“, erläutert der Bayer seine leicht verständlichen Angebote. Doch um seinen Traum des Gitarrespielens in der aktuellen Form zum Beruf zu machen, musste Januschke zunächst einige Umwege gehen. Seinen Eltern zuliebe absolvierte er nach dem Abitur erst einmal eine technische Ausbildung bei einem bekannten Chiphersteller. Doch seine Sehnsucht verschwand nie, und so schloss er ein dreijähriges Studium am Music College in Regensburg in den Stilen Rock, Pop und Folk mit pädagogischer Zusatzausbildung an. Danach unterrichtet er zehn Jahre, spielte in mehreren Bands und versuchte, eine Musikschule aufzubauen. „Um zu überleben, muss man da oft viele Leute aufnehmen, die nicht wirklich Interesse haben, und man wiederholt ständig die gleichen Sachen“, erinnert sich Januschke. In der Coronazeit, in der er kaum unterrichten konnte, reifte daher seine Idee einer Onlinelernplattform, in der seine Schülerinnen und Schüler in ihrem jeweiligen Tempo lernen und auf bestimmte Informationen wie Musiktheorie oder technische Grundlagen immer wieder zurückgreifen können. Zudem bietet er in seinen Kursen sehr gut aufbereitete einfachere und fortgeschrittene Lektionen zu einer Reihe von beliebten Songklassikern – in Noten und Tabs –, die alle Niveaus ansprechen.

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Andreas Januschke

Foto: Lukas Reinker

„Das Allerwichtigste für mich ist, dass man mit den Menschen wirklich auf Augenhöhe arbeitet.“

Inzwischen haben sich mehr als zehntausend Hobbygitarristen und -gitarristinnen auf seiner Plattform angemeldet und mehr als dreitausend Menschen haben seine Kurse gebucht. Besonders beliebt bei seinen Teilnehmenden sind die jeweils Freitag erscheinenden, rund zwanzig Minuten dauernden kostenlosen Lernvideos auf seinem Youtube-Kanal. Inzwischen beherrscht Januschke die Onlinetechnik so spielerisch, dass er die Videos in maximal neunzig Minuten fertigstellen kann. „Mittlerweile habe ich mein System mit einer neuen Kameratechnik so umgestellt, dass ich die Videos in einem Durchgang mit nur gelegentlichen Liveschnitten aufnehme“, beschreibt er seine Arbeitsweise. Die Themen für die Videos ergeben sich aus seinen Kursen oder er greift Fragen seiner Teilnehmenden auf. „Außerdem bin ich selber Musiker, spiele in Bands, und da tauchen immer neue Themen auf, mit denen man sich gerade beschäftigt“, erklärt er. So stellt er auch schon mal seine Instrumente oder seine Aufnahmetechnik vor. Künftig möchte der Musiker, der sich vom Herzen her als Akustikgitarrist sieht, auf seiner Plattform auch das Thema Bluegrass vertiefen und sein Angebot für die E-Gitarre ausbauen. Auch über Kurse für das Spiel auf dem Banjo oder der Ukulele denkt er nach. So sehr Januschke es liebt, in Freiheit in seinem kleinen Heimstudio sein Lernangebot zu konzipieren, so sehr mag er es aber auch, mit Menschen direkt in Kontakt zu treten. „Über die Jahre hat sich über die Plattform eine Community gebildet, mit deren Mitgliedern ich mich gerne auch live austauschen möchte, und deshalb werde ich künftig mein Workshopangebot ausbauen“, so der Gitarrist. Mit einem Musikerkollegen plant er vor allem über die Sommermonate mehr Veranstaltungen in einem Seminarhaus in Boppard bei Koblenz. Aber auch in der Nähe seines Wohnortes bei Regensburg hat Januschke angefangen, Workshops zu geben. „Es soll ein fester Bestandteil meines Angebots werden für all diejenigen, die Bedarf nach Livetreffen haben“, so Januschke. Und kommt der Musiker, der seinen gesamten Internetauftritt allein ohne Agentur organisiert, bei all seinen Aktivitäten noch selbst zum Üben? „Ich spiele schon täglich mindestens eine Stunde, im Winter etwas mehr als im Sommer, aber es ist mehr spielen als üben“, lächelt Andreas Januschke, der sich keinen schöneren Beruf vorstellen kann. www.fingerfux.de

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