Bislang löste der Musikunterricht per Internet eher Skepsis aus. Doch ein bayerischer Musiker beweist mit einer einzigartigen Lernplattform für Gitarre, dass dem Onlinelernen in Zukunft durchaus eine wichtige Rolle beim Erlernen eines Instruments zukommen könnte.
Text: Erik Prochnow; Foto: Lukas Reiner
„Man kann doch nicht einen Jugendlichen, der Nirvana oder Red Hot Chili Peppers hört, mit ‚Hänschen klein‘ abstempeln“, sagt Andreas Januschke – und trifft damit sicherlich den Nerv vieler Jugendlicher und Erwachsener, die mit Begeisterung Gitarre spielen möchten. Das Saiteninstrument zählt noch immer zum Beliebtesten, wenn es darum geht, Folk oder Liedbegleitung zu erlernen. Nicht nur kann man sie leicht überall mit hinnehmen. Das Instrument wird vor allem wegen seiner Vielseitigkeit und der Möglichkeit geschätzt, sowohl Melodie als auch Rhythmus zu spielen. Auch Januschke begann deshalb voller Vorfreude mit vierzehn Jahren an einer Musikschule den Unterricht. Doch durch veraltetes Liedmaterial, strenge technische Vorgaben und klassische Notation verlor er schnell den Spaß. Also brachte er sich das Instrument erst einmal drei Jahre lang autodidaktisch bei, bis er einen offeneren Lehrer fand.
Aber seine Erfahrung legte bereits den Samen für seinen heutigen Beruf. Denn der aus dem bayerischen Burglengenfeld stammende Gitarrist betreibt seit 2019 die einzigartige Lernplattform für Gitarre, fingerfux.de. Sein umfangreiches Angebot, das sowohl kostenlose Infos, Tabs und Videos als auch umfassende Kurse zu Themen wie Liedbegleitung, Blues, Improvisation, Solospiel oder Travis-Picking beinhaltet, sucht seinesgleichen. Aber es ist vor allem Januschkes pädagogischer Ansatz, der seine Lernplattform so herausragend macht. „Das Allerwichtigste für mich ist, dass man mit den Menschen wirklich auf Augenhöhe arbeitet, sich in sie hineinversetzen kann und ihnen nicht Dinge aufdrückt“, sagt der heute 37-Jährige. Er selbst habe mal einen spielerisch exzellenten Gitarrenlehrer gehabt, der aber menschlich schwierig und didaktisch unfähig war, sodass er überhaupt nichts mitgenommen habe. „Wenn man sich aber auf den anderen einlassen kann und das Interesse da ist, sehe ich das Potenzial, das sich jeder erarbeiten kann“, erläutert Januschke.
Seine natürliche, authentische Haltung und seine einfühlende Ansprache kommen tatsächlich in jedem Video sowie seinen Kursen immer zum Ausdruck. „Vielleicht kommt mir dabei zugute, dass ich sehr pragmatisch bin und nichts übertheoretisiere“, erläutert der Bayer seine leicht verständlichen Angebote. Doch um seinen Traum des Gitarrespielens in der aktuellen Form zum Beruf zu machen, musste Januschke zunächst einige Umwege gehen. Seinen Eltern zuliebe absolvierte er nach dem Abitur erst einmal eine technische Ausbildung bei einem bekannten Chiphersteller. Doch seine Sehnsucht verschwand nie, und so schloss er ein dreijähriges Studium am Music College in Regensburg in den Stilen Rock, Pop und Folk mit pädagogischer Zusatzausbildung an. Danach unterrichtet er zehn Jahre, spielte in mehreren Bands und versuchte, eine Musikschule aufzubauen. „Um zu überleben, muss man da oft viele Leute aufnehmen, die nicht wirklich Interesse haben, und man wiederholt ständig die gleichen Sachen“, erinnert sich Januschke. In der Coronazeit, in der er kaum unterrichten konnte, reifte daher seine Idee einer Onlinelernplattform, in der seine Schülerinnen und Schüler in ihrem jeweiligen Tempo lernen und auf bestimmte Informationen wie Musiktheorie oder technische Grundlagen immer wieder zurückgreifen können. Zudem bietet er in seinen Kursen sehr gut aufbereitete einfachere und fortgeschrittene Lektionen zu einer Reihe von beliebten Songklassikern – in Noten und Tabs –, die alle Niveaus ansprechen.
„Das Allerwichtigste für mich ist, dass man mit den Menschen wirklich auf Augenhöhe arbeitet.“






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