folker präsentiert: Dieter-Wasilke-Folk-Förderpreis 2026
Lieder verzaubernder Schönheit: Charlotte Pelgen singt, begleitet sich auf der Ukulele und feiert so die Swing-Ära der 1920er-Jahre, deutsche Chansons und europäischen Folk. Dafür erhielt sie in diesem Jahr den Dieter-Wasilke-Folk-Förderpreis. Auf ihrem bevorstehenden Album My Rain singt sie eigene Songs voller Leichtigkeit und Schwere, Loslassen und Ankommen. Genug Gründe für den folker, Charlotte Pelgen um ein Gespräch zu bitten.
Interview: Udo Hinz
Deine Musik ist inspiriert von den 1920er-Jahren – von Liedern aus der Swing-Ära wie auch von Chansons aus Europa. Was reizt dich an dieser Epoche?
Wenn ich Musik höre, nehme ich als Erstes die Melodie wahr, achte dann aber stark auf die Texte. Und die haben in Swingstücken der 1920er- und 1930er-Jahre einen ganz bestimmten Charme. Oft wirken sie simpel, aber wenn man genau hinhört, merkt man, wie clever sie geschrieben sind. Sie sind frech und verspielt und eingebettet in Rhythmen, Harmonien und Melodien, die mich einfach glücklich machen. Die Lieder, auch die traurigen, strahlen eine große Leichtigkeit aus. An den Chansons, die mich berühren, schätze ich dagegen gerade die Schwere.
Wie bist du zu der Musik gekommen, die du heute spielst?
Durch meine Eltern bin ich mit Folk- und Weltmusik aufgewachsen. Außerdem habe ich einige Jahre in Schweden gelebt und dort skandinavischen Folk kennengelernt. Diese Einflüsse schleichen sich ganz von selbst in meine eigene Musik, und darüber freue ich mich sehr. Na ja, und Swing und Ukulele gehören einfach zusammen! In den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts war die Ukulele – genau wie heute wieder – ein absolutes Modeinstrument. Wenn man sich intensiv mit der Ukulele beschäftigt, kommt man am Swing nicht vorbei. Auch, wenn ich mich inzwischen stilistisch breiter aufgestellt habe, bin ich dort erst einmal eine ganze Weile hängengeblieben.
„Ich kann am besten über das schreiben, was ich auch fühle.“
Was macht die Ukulele so einzigartig?
Die Ukulele wird oft belächelt. Dabei ist sie ein sehr vielseitiges Instrument. Ich spiele meine Sopranukulele in der traditionellen „Re-entrant-Stimmung“. Heißt: Die obere Saite ist oktaviert, also nicht die tiefste. Dadurch klingen Auf- und Abschläge so gut wie gleich und das Strumming und bestimmte Techniken besonders rhythmisch und „knackig“. Durch den eingeschränkten Tonumfang lässt sich nicht alles umsetzen, aber das macht kreativ. Man muss immer den Kern, das wirklich Wichtige herausarbeiten. Ich stehe einfach auf den Klang und die vielen Techniken aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert, die die Stärken der Ukulele voll zur Geltung bringen.
Auf deinem neuen Album My Rain steht deine Stimme wieder ganz im Zentrum. Welche Idee steht hinter dem Album?
Diese Ansammlung von Liedern hat sich so ergeben. Aber sie passen wunderbar zusammen und zeigen die verschiedenen Facetten meiner Musik. So sind neben ruhigen, folkigen Stücken auch flotte Swingnummern dabei. Die besondere Instrumentierung und meine Stimme sind der rote Faden. Ich glaube, die Idee hinter all meinen Projekten ist, meiner eigenen Klangvorstellung näherzukommen und mich und meine Musik authentisch zu präsentieren. An dieser Stelle möchte ich meine Mitmusiker Toby Kuhn (Cello), Lotte Remmen (Geige) und meinen Vater Christoph Pelgen (Mandoline, Low Whistle, Gitarre) nennen. Es war mir eine riesige Freude, mit ihnen zusammenzuarbeiten.
Welchen Themen haben dich bei den Texten geleitet?
Die Lieder sind in einer Zeit entstanden, in der sich vieles in meinem Leben neu geordnet hat. Es geht um Leichtigkeit und Schwere, Loslassen und Ankommen, (Vor-)Freude und Traurigkeit, Veränderung und Alltag. Die meisten Texte sind sehr persönlich, aber auch die aktuelle Weltlage kommt direkt und indirekt vor. Ich kann auf jeden Fall am besten über das schreiben, was ich auch fühle.
Die Stücke sind sparsam instrumentiert und zeitlos schön. War das deine Absicht?
Ich habe, bevor ich ein Lied schreibe, nie bestimmte Absichten. Mein Prozess besteht aus viel Probieren und Verwerfen, bis ich etwas finde, das ich selber schön finde. „Zeitlos“ ist ein Wort, das mir immer wieder begegnet, wenn ich darüber nachdenke, wie die Lieder sich für mich anfühlen. Wenn dann die Außenwirkung mit der eigenen übereinstimmt, macht mich das ganz glücklich. Dass sie sparsam instrumentiert sind, ist Absicht – es trifft meinen Geschmack.
Du bist zunehmend auch international aktiv. Wie erlebst du die aktuelle Szene für deine Musik?
Ich liebe meine Nische! Ich bin so froh, dass die Folk-, Swing- und Ukulelenszene bislang weitgehend immun gegen den ganzen KI-Horror zu sein scheint und weiterhin handgemachte, akustische Musik mit Konzertbesuchen und CD-Käufen unterstützt. Ich glaube, dass mit schwindender Kulturförderung, immer schnelleren digitalen Formaten und KI der Fokus wieder stärker auf echte Gemeinschaft rückt. Und die kleine Community, die ich bislang um mich aufgebaut habe, ist unglaublich wertschätzend und verlässlich.
Was bedeutet dir der Gewinn des Dieter-Wasilke-Folk-Förderpreises beim Venner Folk Frühling?
Lange war ich vor allem im Swing unterwegs und finde jetzt zu meinen „Wurzeln“ im Folk zurück. Der Preis motiviert mich, weiter in diese Richtung zu gehen.
Aufmacher:
Aktuelles Album:
My Rain (Timezone Records, VÖ: 16.10.2026)










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